Modellprojekt der Ersatzkassen

Physician Assistants: Per Video-Schalte aus der Zweigpraxis

, Uhr
Berlin -

Physician Assistants (PA) sollen in den Arztpraxen zunehmend Tätigkeiten übernehmen und die Lücke zwischen MFA und den Ärzt:innen schließen. Ärztliche Leistungen sollen auf diese Mitarbeitenden delegiert werden, die einen dreijährigen medizinischen Bachelor-Studiengang absolviert haben. Der Verband der Ersatzkassen (vdek) fordert, dass die PA direkt im Rahmen der angekündigten Regelungen zur Primärversorgung berücksichtigt werden.

„Nach Verabschiedung des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes muss jetzt die geplante Reform der Primärversorgung zügig von der Politik vorangetrieben werden”, fordert Boris von Maydell, Vertreter des vdek-Vorstandes. „Wir wünschen uns, dass der entsprechende Referentenentwurf kurzfristig vorgelegt wird. Dabei sollte neben der (digitalen) Ersteinschätzung auch die Delegation ärztlicher Leistungen an nichtärztliches Personal eine zentrale Rolle spielen.“

„Ohne Unterstützung von Physician Assistants (PA) und anderen nichtärztlichen Berufsgruppen werden wir die flächendeckende (haus)ärztliche Versorgung gerade in strukturschwachen Regionen künftig nicht sicherstellen können. Delegation ist das Schlüsselwort für eine zeitgemäße, zukunftsorientierte ambulante Versorgung”, so der Kassenvertreter weiter.

In dem anstehenden Gesetz müssten die strukturellen Rahmenbedingungen für den Einsatz qualifizierter Gesundheitsberufe wie PA verbindlich geregelt werden, damit diese dann in der Fläche unterstützen könnten. Studieninhalte und Regularien des Studiengangs Physician Assistance müssten bundesweit vereinheitlicht, die Delegationsvereinbarung angepasst und schließlich auch die Honorarsystematik entsprechend weiterentwickelt werden.

Testlauf mit PA-betriebener Zweigpraxis

Zusammen mit der Hausarztpraxis „Gesenhues und Partner“ in der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Ochtrup fährt der vdek bereits seit zwei Jahren ein PA-Pilotprojekt. In der dünn besiedelten Region mit ausgewiesenem Ärztemangel setze der Testlauf an genau der richtigen Stelle an. Die Praxis ist Teil eines Modellprojekts, das zum Ersatzkassenkonzept „Regionale Gesundheitszentren” (RGZ) gehört. Auch in einem regionalen Versorgungszentrum an der Nordseeküste in Niedersachsen sowie im medizinischen Zentrum Lübbenau in Brandenburg wird der PA-Einsatz innerhalb des Projekts getestet.

Hier könnten die PA bereits Anamnesegespräche, körperliche Untersuchungen, Wundversorgung, Impfungen und die Betreuung chronisch kranker Menschen übernehmen. „Zur Verbesserung der Versorgung wurde eine von PA betriebene Zweigpraxis im hausärztlich gering versorgten Umland eröffnet“, heißt es vom vdek zum Projekt.

Hier gebe es dann eine Infektsprechstunde, Voruntersuchungen oder auch Behandlungsmaßnahmen; per Videokonsil werde sich mit den Ärzt:innen in der Hauptpraxis abgestimmt. Denn die Diagnosestellungen, Therapieentscheidungen und Rezepte sowie die Gesamtverantwortung liegen weiterhin in der Hand der Ärzteschaft.

Praxis und vdek feiern Projekterfolg

„Die Erfahrungen aus dem Projekt haben uns überzeugt: PA entlasten Ärztinnen und Ärzte spürbar, stärken die Versorgung vor Ort und schaffen zusätzliche Kapazitäten für Patientinnen und Patienten“, so Praxisinhaber Dr. Sebastian Gesenhues. „Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sind sie für uns ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil moderner, multiprofessioneller Praxisteams.“

Das Projekt zeige ganz deutlich, „dass viele Aufgaben im Versorgungsalltag nicht nur von einem Arzt oder einer Ärztin, sondern auch von gut ausgebildetem Fachpersonal übernommen werden können“, so Maydell.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte