Noch immer stoßen die Pläne der Abda für eine stärkere Einbindung der Apotheken in die Primärversorgung bei den Ärzteverbänden auf große Ablehnung. Mehrere Organisationen haben bereits protestiert, nun zieht auch die Freie Allianz der Länder-KVen (FALK) nach und macht deutlich: „Finger weg vom Arztberuf!“
Die in der Allianz zusammengeschlossenen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) werfen der Abda vor, mit dem Positionspapier zur Primärversorgung die Grenzen zwischen Apotheke und Arztpraxis einreißen zu wollen. Wer den Arztberuf scheibchenweise übernehmen wolle, müsse auch Diskussionen über die Zukunft der Apotheken hinnehmen.
„Die Abda verlässt den Boden einer vernünftigen Arbeitsteilung und greift nach Aufgaben, die ihr einfach nicht zustehen“, erklären die FALK-Vorstände. „Diagnosen stellen, Therapien planen und Patienten behandeln sind keine Zusatzqualifikation und keine Serviceleistung. Wer suggeriert, man könne ärztliche Verantwortung nebenbei in die Apotheken verlagern, spielt mit der Patientensicherheit.“
Statt einer besseren Versorgung gehe es der Apothekerschaft bei dem Vorhaben nur um einen immer weitergehenden Griff nach ärztlichen Kompetenzen. „Die Apothekerschaft scheint jedes Jahr ein neues Stück Arztberuf für sich zu entdecken. Erst Beratung, dann Diagnostik, dann Therapie – wo soll das eigentlich enden? Wer den Arzt ersetzen will, sollte zuerst erklären, warum dafür weder Medizinstudium noch Facharztausbildung nötig sein sollen.“
Bei einer Debatte um die Ausweitung des Aufgabenbereichs der Apotheken müsse dann auch diskutiert werden, welche Aufgaben stattdessen künftig von den Praxen übernommen werden können. „Wer die Spielregeln ändern will, darf sich nicht beschweren, wenn plötzlich alle Karten neu gemischt werden“, so FALK. „Sollte die Abda diesen Kurs fortsetzen, wird sich die Ärzteschaft nicht länger auf die Rolle des stillen Zuschauers beschränken. Wer den Arztberuf angreift, muss damit rechnen, dass künftig auch die bisherigen Privilegien und Aufgaben der Apotheken grundsätzlich zur Diskussion stehen.“
Dazu habe man bereits drei konkrete Vorschläge:
„Zudem geht es auch darum, wofür es die Apotheke vor Ort überhaupt noch braucht. Vieles lässt sich für Patientinnen und Patienten einfacher, effizienter und medizinisch sinnvoller in der Arztpraxis oder über den Versand organisieren“, meint FALK-Geschäftsführer Martin Degenhardt.
„Entscheidend für eine gute Versorgung ist nicht die schleichende Verlagerung ärztlicher Tätigkeiten in den Einzelhandel, sondern eine starke ambulante ärztliche Versorgung vor Ort. Das Dispensierrecht im Notdienst – wie es nun geplant ist – kann hier nur der erste Schritt sein. Weitere müssen folgen.“
Auch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) äußert sich nun noch einmal ähnlich. „Die Pläne, diagnostische Leistungen wie Schnelltests und Blutentnahmen sowie tiefergehende Therapieempfehlungen flächendeckend in Apotheken zu etablieren, gehen völlig an der Realität von Patienten und der medizinischen Praxis in Westfalen-Lippe vorbei“, so Anke Richter-Scheer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVWL.
Als Hausärztin erlebe sie jeden Tag, wie wichtig die kontinuierliche und ganzheitliche Betreuung der Menschen sei. „Eine gute und sichere Diagnose basiert insbesondere auf dem Wissen um die gesamte Krankengeschichte und das soziale Umfeld. Wenn Apotheken nun ohne dieses wesentliche Hintergrundwissen eigene Diagnostik und Empfehlungen anbieten, stiftet das bei den Patienten Verwirrung, gefährdet die Therapiesicherheit und kostet wertvolle Zeit. Diagnostik und die Koordination der Behandlung gehören klar und ausschließlich in die Hand der behandelnden Ärztinnen und Ärzte.“
So werde durch die Bestimmung isolierter Laborwerte die Patientensicherheit gefährdet. „Isoliert betrachtet und ohne den medizinischen Gesamtzusammenhang lassen diese Werte keine qualifizierte Aussage zu. Ohne Kenntnis von Vorerkrankungen und Begleitsymptomen können sie vielmehr zu gefährlichen Fehlschlüssen führen.“ Patienten würden verunsichert und landeten am Ende doch in der Arztpraxis.
Dass Chroniker einfach ein Arzneimittel ohne Rezept aus der Apotheke bekommen sollen, gehe einfach nicht. „Wenn Apotheken tiefergehende Empfehlungen aussprechen, ohne zu wissen, was zwischen Arzt und Patient vereinbart wurde, droht akute Gefährdung.“ Patienten seien gut versorgt, eine weitere Instanz brauche es nicht – und auch „keine Verlagerung der Medizin in die Apotheke“.
Außerdem meint Richter-Scheer: „Angesichts zunehmender finanzieller Probleme in den Apotheken stellt sich die Frage: Ist es sinnvoll, immense Ressourcen für die Schulung von Personal, den Umbau diskreter Räumlichkeiten oder den Nachweis aufwändiger Fortbildungen und telemedizinischer Anbindungen aufzubringen? Sinnvoller wäre es, die Kräfte und Ressourcen auf die Kernkompetenz der Apotheken – die sichere Arzneimittelversorgung – zu konzentrieren.“
Das Positionspapier der Abda sei einseitig gedacht und gehe am tatsächlichen Bedarf der Menschen vorbei. „Wir fordern daher eine klare Besinnung auf die bewährte Aufgabenteilung im Gesundheitswesen: Diagnose und Therapie verbleiben in der Arztpraxis – Apotheker sind eben keine Ärzte!“
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