Auch die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KV) lehnt das von der Abda vorgelegte Positionspapier entschieden ab, das Apotheken künftig eine Rolle bei der Ersteinschätzung, Diagnostik und Betreuung chronisch kranker Patienten zuweisen möchte. Genauso gut könnten Ärztinnen und Ärzte dispensieren.
„Diagnosestellung, Anamnese und Befundeinordnung sind nicht ohne Grund ärztliche Kernaufgaben. Scheinbar leichte Beschwerden wie Schwindel oder Kopfschmerzen können Hinweise auf schwerwiegende Erkrankungen sein und erfordern eine ärztliche Untersuchung“, sagt der KV-Vorsitzende Dr. Stefan Windau. „Die Apotheker wollen nun Aufgaben übernehmen, für die sie nicht ausgebildet sind. Das geht zu Lasten der Qualität in der Versorgung unserer Patienten.“
„Bei allem Verständnis für die Interessen der Apotheker sind diese Forderungen derart fundamental, dass sie die Basis für eine sinnvolle Zusammenarbeit zwischen Apothekern und Ärzten im Sinne einer guten Patientenversorgung zu zerstören drohen. Wenn die Apotheker meinen, einen auf Eigeninteressen basierenden Systemwandel anzustreben, maßgeblich in die Primärversorgung einzugreifen und dies letztendlich zu Lasten der Patienten geschieht, muss auch die bisherige Rolle der Apotheker insgesamt hinterfragt werden. Auch die Ärzteschaft wäre im Interesse der Patienten beispielsweise in der Lage, Medikamente in der Akutversorgung an Patienten direkt abzugeben. Dies würde Wege für die Patienten, gerade auch im ländlichen Raum, verkürzen.“
Die KV Sachsen warnt vor rein interessengeleiteten Parallelstrukturen, unklaren Zuständigkeiten und möglichen Risiken für Patienten. Das Agieren der Abda gefährde geplante, sinnvolle Projekte in der Zusammenarbeit von Ärzten und Apothekern in der Patientenversorgung.
Man fordere die Abda auf, „diesen letztendlich versorgungsschädlichen und kurzsichtigen Ansatz zurückzuziehen und zu einer sinnvollen, tatsächlich patientenbezogenen Geschäftsgrundlage zurückzukehren“. Die Apotheker müssten die bestehende kompetenzbasierte Grundlage klar akzeptieren, andernfalls sei die Rollenverteilung von Ärzten und Apothekern durch die Ärzteschaft grundsätzlich zu hinterfragen.
„Apotheken sind unverzichtbare Partner bei der Arzneimittelversorgung. Apotheker sind aber keine ‚Ärzte light‘. Wir haben in Deutschland ein sehr gut eingespieltes System der Patientenversorgung, in dem die Rollen von Apothekern und Ärzten sinnvollerweise klar definiert sind. Daraus folgt kein Auftrag zur Übernahme diagnostischer oder therapeutischer Aufgaben. Diagnose und Therapie müssen in ärztlicher Verantwortung bleiben“, ergänzt KV-Vize Dr. Manuela Sipli.
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