Am Sonntag ist der Tag der Apotheke. Nicht nur das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) und die Verordnung zum Honorar beschäftigen die Apotheken, sondern auch ihre zukünftige Rolle in der Primärversorgung wird diskutiert. „Primärversorgung ist ohne Apotheken nicht darstellbar – Apotheke ist heute schon primäre Anlaufstelle für Bürger:innen“, so Abda-Präsident Thomas Preis.
Es gebe immer mehr chronische Erkrankungen – mehr als 75 Prozent der Bürger:innen über 70 Jahren nehmen laut Preis mehr als drei Arzneimittel ein. Alarmierend sei zudem die abnehmende Gesundheitskompetenz der Bürger:innen. Aber auch Lieferengpässe und die schwierige Terminfindung bei Ärzt:innen vor allem auf dem Land seien weitere Herausforderungen. „Die Menschen haben Angst um ihre Gesundheitsversorgung, dem wollen wir mit der Integration von Apotheken in die Primärversorgung entgegenwirken“, so Preis.
Daher sollten Ärzt:innen und Apotheker:innen enger zusammenarbeiten. Zudem sollen digitale Angebote sinnvoll genutzt werden. Apotheken sollten laut Preis stärker eingebunden werden, weil sie flächendeckend und wohnortnah vorhanden seien, ohne Termin rund um die Uhr erreichbar seien und qualifiziert beraten könnten.
„Apotheken sind leicht erreichbar und kompetent und genießen ein sehr hohes Vertrauen in der Bevölkerung – dieses Potenzial sollten sie besser nutzen“, so Preis.
Ab 2027 sollen Apotheken aufgrund des ApoVWG weitere Aufgaben übernehmen. Neben den bisherigen pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) kommen weitere hinzu:
Hinzu kommen weitere Leistungen wie:
Wie können Apotheken zusätzlich in die Primärversorgung eingebunden werden? Die Abda sieht mehrere Ansätze:
Gesundheitsförderung: Menschen mit Gesundheitsfragen aktiv unterstützen
Dazu gehört die persönliche Beratung zu Gesundheitsthemen direkt vor Ort sowie Angebote zur Vorsorge und Früherkennung und Hilfe im Umgang mit digitalen Angeboten wie der elektronischen Patientenakte (ePA). Damit würden die Gesundheitskompetenz und Eigenverantwortung der Bürger:innen gestärkt.
Ersteinschätzung und Zugang zum Gesundheitssystem
Das politische Ziel sei es, Patient:innen einen besseren Zugang zum Gesundheitswesen zu ermöglichen und sie besser zu leiten. Dabei reichten digitale Angebote allein nicht aus, viele Menschen brauchten persönliche Unterstützung, so der Abda-Präsident. Daher sollten Apothekenteams eingebunden werden und nach digitaler Ersteinschätzung gezielt auch in die Apotheke verwiesen werden. Apotheken könnten die Beratung vor Ort zur Einordnung von Beschwerden übernehmen und ärztliche Videosprechstunden könnten in Apotheken aufgebaut werden. Digitale Angebote sollten durch persönliche Beratung ergänzt werden. Dabei spiele die Apotheke eine wichtige Rolle.
Zudem könnten Apotheken Akutsprechstunden und Notdienste der Ärzt:innen entlasten und eine Unterstützung direkt nach einem Krankenhausaufenthalt sein. Mögliche Leistungen seien Durchsicht und Beratung zur neuen Medikation sowie die Risikoprüfung zur Vermeidung von Problemen mit neuen Arzneimitteln.
Ein weiterer Punkt ist die bessere Versorgung von Kindern im Apothekennotdienst beispielsweise durch Abgabe von rezeptfreien Medikamenten im Notdienst direkt zulasten der Krankenkassen
Unterstützung in der Routineversorgung von chronischen Erkrankungen
Dazu gehört die kontinuierliche Pflege des Medikationsplans inklusive regelmäßiger Überprüfung aller Medikamente sowie die Verbesserung der Versorgung bei Dauertherapien. Die Apotheke sei eine Unterstützung dabei, alle Medikamente rechtzeitig zu erhalten und richtig einzunehmen. Probleme könnten frühzeitig erkannt werden und individuelle Beratung bei langfristigen Therapien geleistet werden.
„Apothekerinnen und Apotheker können Menschen schnell und unkompliziert versorgen und damit das Gesundheitssystem entlasten“, so Preis.
Das Ziel: „Die Primärversorgung in der Apotheke soll Patientinnen und Patienten noch schneller versorgen und das System entlasten.“ Menschen sollten mehr Unterstützung bekommen, ihre Gesundheit selbst zu gestalten. Prävention, Beratung und Selbsthilfe müssen gestärkt werden und Angebote zur Ersteinschätzung müssten einfach erreichbar sein – digital und vor Ort.
Um die neue Rolle der Apotheken in der Primärversorgung zu beschreiben und mögliche neue Kompetenzbereiche der Apotheken zu ergründen, hat die Abda zum Tag der Apotheke am 7. Juni das Positionspapier „Die zukünftige Rolle der Apotheke in der Primärversorgung“ vorgelegt.
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