Häufige Nebenwirkungen

Statine: Nutzen und Risiko der Bluttfettsenker

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Berlin -

Sind die LDL-Cholesterin-Werte zu hoch, werden häufig Statine verordnet. Ziel dabei: Das Risiko für schwere vaskuläre Ereignisse soll gesenkt werden. Während der Einnahme können jedoch auch teils schwere Nebenwirkungen auftreten. Die zwei Seiten von Simvastatin & Co. – ein Überblick.

Der klinische Nutzen von Statinen zur Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen ist belegt. Statine blockieren ein Enzym in der Leber, das für die Cholesterinherstellung verantwortlich ist. Pro Senkung des „schlechten“ LDL-Cholesterins um 1 mmol/l (ca. 40 mg/dl) sinkt das Risiko für schwere vaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder nötige Gefäßoperationen um bis zu 25 Prozent.

Aber sie reduzieren nicht nur das Fett im Blut, sondern wirken auch entzündungshemmend in den Gefäßen. So stabilisieren Statine bereits vorhandene Kalkablagerungen, sodass diese seltener aufplatzen und Blutgerinnsel bilden.

Dies macht sie so effektiv in der Primär- und Sekundärprävention. Der Nutzen ist am höchsten bei Menschen, die bereits einen Herzinfarkt hatten, sprich in der Sekundärprävention. Er ist aber auch bei Patienten mit hohem Risiko, beispielsweise durch Diabetes oder Bluthochdruck, in der Primärprävention klar nachgewiesen.

„Nachteile“ von Statinen

In der Praxis brechen bis zu 20 Prozent der Patienten die Statin-Therapie wegen vermeintlicher Unverträglichkeiten ab. Häufiger Grund sind Muskelschmerzen.

Es gibt jedoch bereits Studien, die einen sogenannten Nocebo-Effekt nachgewiesen haben. Beispielsweise die SAMSON-Studie: In dieser Analyse nahmen Patienten in monatlich wechselnder, zufälliger Reihenfolge entweder ein Statin, ein optisch identisches Placebo oder aber gar keine Tablette ein. Das Ergebnis: 90 Prozent der Beschwerden, die unter dem Statin auftraten, traten ebenso in der Placebo-Gruppe auf.

Eine weitere umfassende Auswertung von über 120.000 Patienten zeigte, dass im ersten Jahr der Einnahme nur bei etwa einem von 15 Berichten über Muskelschmerzen tatsächlich das Statin die Ursache war. Das bedeutet: Über 93 Prozent der Muskelbeschwerden haben andere Ursachen, wie normales Altern und Alltagsbelastungen. Oder die Beschwerden entstehen rein psychologisch durch die Angst vor dem Medikament. Nach dem ersten Jahr verschwindet dieser minimale Unterschied zu einem Placebo sogar fast vollständig.

Messbare Risiken

Die pharmakologisch messbaren Risiken sind dennoch vorhanden, aber statistisch sehr selten:

  • Tatsächliche Muskelbeschwerden betreffen weniger als 1 Prozent der Patienten. Eine extrem seltene, gefährliche Muskelauflösung, die Rhabdomyolyse, tritt bei weniger als einem von 10.000 Patienten auf.
  • Laut einer aktuellen Lancet-Analyse kommt es bei etwa 0,30 Prozent der Patienten pro Jahr unter Statinen zu geringgradig erhöhten Leberwerten. Diese Veränderungen sind meist vorübergehend.
  • Statine können bei Patienten, die ohnehin schon ein hohes Risiko für Typ-2-Diabetes haben, beispielsweise durch Übergewicht oder einen veränderten Nüchternblutzucker, den Ausbruch der Erkrankung geringfügig beschleunigen. Der Nutzen für das Herz überwiegt diesen Nachteil laut Leitlinien jedoch.
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