Studie

Juckreiz unter Statinen und PPI

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Berlin -

Juckreiz ist nicht immer allergisch bedingt und kann auch unter einer Arzneimitteltherapie auftreten. Dass auch Statine und Protonenpumpenhemmer im Zusammenhang mit nichtallergischem Juckreiz stehen, zeigen Studienergebnisse eines italienisch-französischen Forscherteams.

Weil chronischer Juckreiz ohne Hautläsionen auch eine systemische Ursache haben und insbesondere durch Medikamente ausgelöst werden kann, haben Forschende eine Analyse der Pharmakovigilanz-Datenbank der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durchgeführt. Das Ziel: Medikamente zu identifizieren, die am häufigsten mit generalisiertem Pruritus assoziiert sind. Die WHO-Datenbank – VigiBase – enthält mehr als 37 Millionen individuelle Fallsicherheitsberichte aus mehr als 130 Ländern. Betrachtet wurden Fälle von generalisiertem Juckreiz, der nicht auf allergische, dermatologische oder nierenbedingte Ursachen zurückzuführen ist und Betroffene mit nur einem einzigen systemisch verabreichten verdächtigen Medikament behandelt wurden.

Insgesamt wurden 268.799 Fälle von Juckreiz betrachtet. Die Forschenden konnten Arzneimittelklassen identifizieren, denen ein erhöhtes Risiko für Juckreiz zugeschrieben werden kann. Das sind:

  • systemische Antibiotika (Ciprofloxacin, Levofloxacin, Ceftriaxon, Amoxicillin, Sulfamethoxazol/Trimethoprim und Piperacillin/Tazobactam)
  • Impfstoffe (Covid-19 und Influenza)
  • Immunsuppressiva (Adalimumab, Lenalidomid, Dimethylfumarat, Etanercept und Apremilast)
  • Kontrastmittel (Iohexol, Iopamidol, Iopromid und Iomeprol)
  • Krebsmedikamente (Oxaliplatin, Carboplatin und Cisplatin)
  • Analgetika (Paracetamol, Morphin, Tramadol)
  • Statine (Simvastatin und Atorvastatin)
  • Antituberkulose-Arzneimittel (Pyrazinamid, Rifampicin und Isoniazid)
  • Antazida (Omeprazol und Ranitidin)

Außerdem konnten die Forschenden 3847 Fälle identifizieren, bei denen Juckreiz nach Absetzen des Arzneimittels verschwand und nach erneuter Behandlung wieder auftrat.

Das Fazit des Forscherteams: Diese Studie bestätigt bekannte Zusammenhänge für Juckreiz unter Arzneimitteln wie Opioiden und Antibiotika. Aber es konnten auch neue Wirkstoffe identifiziert werden, die Juckreiz auslösen können. Dazu gehören beispielsweise Statine, Antazida und Antituberkulose-Medikamente. Außerdem betont das Forscherteam, dass Medikamente traditionell mit Überempfindlichkeitsreaktionen verbunden sein können.

Zu den möglichen Ursachen von nichtallergischem, arzneimittelinduziertem Juckreiz können laut Forschenden stumme Hypersensitivitätsreaktion, periphere Neuropathie oder Cholestase gehören. Obwohl die definitive Kausalität dieser Faktoren noch zu bestätigen ist, können die Ergebnisse dieser Beobachtungsstudie hilfreich sein.

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