Neues Molekül verspricht Erfolg

Adipositas und Diabetes: Fünffach-Attacke auf Fettzellen

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Berlin -

Ein Forschungsteam aus München hat einen neuen therapeutischen Ansatz zur Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes entwickelt. Ein einziges Hybrid-Molekül sorgte für signifikante Verbesserungen des Stoffwechsels im Tiermodell. So verloren die Tiere stärker an Gewicht als mit bisherigen Wirkstoffen, die Blutzuckerwerte verbesserten sich signifikant, und es wurden potenziell positive Effekte für Herz und Leber verzeichnet.

Ein Forschungsteam um Professor Dr. Timo Müller, Direktor des Instituts für Diabetes und Adipositas (IDO) bei Helmholtz Munich, Lehrstuhlinhaber an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) sowie Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD), hat einen neuen therapeutischen Ansatz zur Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes entwickelt. Die Ergebnisse der präklinischen Untersuchung wurden im Fachjournal „Nature“ veröffentlicht.

Das Team kombinierte dabei bekannte Sättigungssignale mit einem zusätzlichen Stoffwechsel-Modulator zu einem einzigen Hybrid-Molekül. Moderne Therapien nutzen bereits sogenannte Inkretin-Mimetika, die die Wirkung der körpereigenen Hormone GLP-1 und GIP nachahmen. Diese regulieren das Sättigungsgefühl und den Blutzuckerspiegel.

Eine Herausforderung bestand bisher aber darin, weitere Wirkstoffe – etwa zur Erhöhung der Insulinsensitivität – einzusetzen, ohne durch deren Verteilung im gesamten Körper starke Nebenwirkungen zu riskieren.

Trojanisches Pferd

Die Forschenden entwickelten daher ein Molekül, das nach dem Prinzip eines „trojanischen Pferdes“ arbeitet. Ein Inkretin-Wirkteil dockt an die GLP-1- und GIP-Rezeptoren auf der Zelloberfläche an und fungiert als Türöffner. An diesen Wirkteil ist chemisch der Wirkstoff Lanifibranor, ein pan-PPAR-Agonist, gekoppelt, sozusagen als Fracht. Erst nachdem das Hybrid-Molekül über die Rezeptoren in die Zelle aufgenommen wurde, entfaltet die zweite Komponente ihre Wirkung an den PPAR-Schaltern im Zellkern. Diese steuern Gene des Fett- und Zuckerstoffwechsels.

Durch diese Kopplung kann der Zusatzwirkstoff in einer deutlich geringeren Dosierung eingesetzt werden, da er gezielt in die relevanten Zellen transportiert wird, statt systemisch im ganzen Körper zu wirken.

Starke Effekte im Labor

In Laborexperimenten mit Mäusen, die an ernährungsbedingter Adipositas litten, zeigte das neue fünffach wirkende Molekül folgende Effekte:

  • Die Tiere nahmen weniger Nahrung auf und verloren stärker an Gewicht als Vergleichsgruppen, die lediglich mit GLP-1/GIP-Präparaten behandelt wurden.
  • Die Blutzuckerwerte verbesserten sich signifikant. Das Insulin konnte den Zucker effizienter aus dem Blut in das Gewebe schleusen, während die Leber die Zuckerabgabe ins Blut reduzierte.
  • Die typischen gastrointestinalen Nebenwirkungen lagen auf einem ähnlichen Niveau wie bei bestehenden Inkretin-Therapien. Spezifische Risiken der PPAR-Komponente, wie Anämie oder Flüssigkeitseinlagerungen, wurden in den untersuchten Parametern nicht beobachtet.

Ausblick und Übertragbarkeit

Die Studie lieferte laut den Forschenden zudem Hinweise auf potenziell positive Effekte für Herz und Leber. Aber: Es handelt sich um eine präklinische Untersuchung. Deswegen ist die Übertragbarkeit auf den Menschen noch nicht gesichert. Die Forschenden geben zu bedenken, dass sich der GIP-Rezeptor zwischen Maus und Mensch unterscheidet. Der nächste Schritt liege in der Optimierung des Ansatzes für klinische Tests am Menschen, wofür laut Studienleiter Müller industrielle Partnerschaften angestrebt werden.

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