Neues Angebot in den USA

Abnehmen per Abo: Amazon startet GLP-1-Programm

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Berlin -

Amazon hat in den USA ein neues Versorgungsprogramm für das Management von GLP-1-Gewichtsmanagement-Medikamenten gestartet. Das Modell kombiniert die medizinische Betreuung durch Amazon One Medical mit der Lieferung über Amazon Pharmacy.  Mit diesem Vorstoß tritt der Konzern in direkten Wettbewerb zu Plattformen der Hersteller wie LillyDirect oder NovoCare.

Das Programm läuft seit dem 21. April und nutzt die Amazon-eigene Hausarztkette One Medical. Mit diesem Netzwerk mit über 200 Praxisstandorten in mehr als 20 US-Bundesstaaten will Amazon nach eigenen Angaben künftig Primärversorgung, Apothekendienste und Telemedizin vereinen.

Adipositas werde dabei als chronische Erkrankung verstanden, was Voruntersuchungen, Beratungsgespräche und ein Monitoring nach standardisierten Protokollen einschließe. Ärzt:innen sollen parallel auch begleitende Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Typ-2-Diabetes mitbehandeln.

Beratung in allen 50 Bundesstaaten

Für den Zugang ist eine reguläre One-Medical-Mitgliedschaft erforderlich. Diese kostet regulär 199 US-Dollar (rund 183 Euro) pro Jahr; Prime-Abonnent:innen zahlen 99 Dollar (91 Euro).

Eine telemedizinische Rezeptverlängerung ist auch ohne Abo möglich und kostet ab 29 Dollar pro Textnachricht oder 49 Dollar pro Videogespräch. Das Angebot richtet sich laut Amazon explizit an Patient:innen, die bereits eine laufende GLP-1-Therapie etabliert haben. Neuverordnungen sind nicht möglich.

Die technische Infrastruktur deckt laut Amazon Video-Konsultationen in allen 50 US-Bundesstaaten ab, während Messaging-Dienste in 34 Staaten verfügbar sind. Ein Bestandteil des Services ist laut Amazon die Preistransparenz: Kundinnen und Kunden können an der Kasse Versicherungs- und Selbstzahler-Preise direkt vergleichen und bestimmte Hersteller-Coupons werden automatisch eingelöst. Das Sortiment umfasst Wegovy (Semaglutid, Novo Nordisk) sowie den Zepbound-Auto-Injektor und den Zepbound-KwikPen (Tirzepatid, Lilly). Hinzu kommen die seit kurzem von der FDA zugelassenen oralen Varianten: die Wegovy-Tabletten (Semaglutid, Novo Nordisk) sowie Foundayo (Orforglipron, Lilly).

Während der Listenpreis für Wegovy bei rund 1349 Dollar pro Monat liegt, starten die Preise bei Amazon Pharmacy als Selbstzahler ab 299 Dollar für die Injektionsformen und ab 149 Dollar für die oralen Varianten. Mit Versicherungsschutz können die Zuzahlungen auf bis zu 25 Dollar pro Monat sinken. Im Gegensatz zu herstellergebundenen Plattformen führt Amazon Produkte verschiedener Produzenten und bindet eigene physische Praxisstandorte ein.

Nächster Player im Markt

Amazon verweist zur Begründung des neuen Programms auf die Versorgungslage: Adipositas betreffe über 40 Prozent der Erwachsenen und verursache jährlich rund 173 Milliarden Dollar an medizinischen Kosten. Patientinnen und Patienten erhielten bislang häufig Einzellösungen von Anbietern, bei gleichzeitig intransparenten Medikamentenkosten.

Amazon tritt in einen Markt ein, in dem Pharmahersteller ihre Produkte nicht mehr nur an Apotheken liefern, sondern über eigene Portale direkt an Patienten in den USA verkaufen. Lilly verschickt seit Januar 2024 über die Plattform LillyDirect Medikamente wie Zepbound unmittelbar an die Haustür. Amazon Pharmacy arbeitet dabei seit März 2024 als Lieferpartner für Lilly. Zusätzlich verkauft Lilly seit November 2025 Zepbound über Walmart-Apotheken an Selbstzahler für 349 Dollar pro Monat.

Ausbau bis Ende 2026

Auch Novo Nordisk nutzt mit NovoCare einen solchen Direktvertrieb. Gleichzeitig boten Telemedizin-Anbieter wie Hims & Hers aufgrund von Lieferengpässen bei Wegovy alternative Rezepturen (Compounding) an. Ein Streit um eine solche günstige Tablette für 49 Dollar führte Anfang des Jahres zu einer Klageandrohung durch Novo Nordisk. Nach dem Eingreifen der US-Behörden einigten sich beide Firmen am 9. März auf eine Kooperation: Hims & Hers vertreibt nun die Originalpräparate von Novo Nordisk und stellt das Bewerben eigener Produkte ein.

In dieses bereits in Bewegung geratene System tritt nun Amazon ein. Die Same-Day-Zustellung erfolgt aktuell in rund 3000 US-Städten; bis Ende des Jahres ist die Ausweitung dieses Services auf insgesamt 4500 Städte geplant. Zusätzlich können Prime-Mitglieder für 5 Dollar monatlich den RxPass für den Zugang zu über 50 Generika gegen chronische Erkrankungen nutzen.

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