Immer mehr Apothekenmarken werden über Amazon verkauft. Wie eine Studie der Unternehmensberatung Kaske Group zeigt, boomt insbesondere das Geschäft mit Kosmetikmarken aus der Offizin.
Erstmals konnte Kaske auf reale Abverkaufszahlen zugreifen, die Amazon den Händlern auf seinem Marktplatz seit Kurzem zur Verfügung stellt. Um den Markt zu definieren, legte die Unternehmensberatung das Sortiment von Shop Apotheke zugrunde – mehr als 200.000 Produkte aus allen möglichen Bereichen. Dazu wurden die Primärdaten von Amazon erhoben, jeweils die realen Abverkaufspreise ohne Mehrwertsteuer und bereinigt um Retouren.
Demnach entfielen im vergangenen Jahr 2,7 Milliarden Euro auf den von Kaske definierten Gesundheitsbereich, das entspricht 4,5 Prozent der Gesamtumsätze auf der Plattform in Höhe von 60,1 Milliarden Euro. Klammert man Verkäufe etwa nach Österreich aus, kommt man auf 2,5 Milliarden Euro.
Damit ist Amazon laut Analyse im Gesundheitsbereich mehr als doppelt so groß wie Shop Apotheke bei Non-Rx und 2,5-mal so groß wie DocMorris. Und lässt man Websites außen vor, auf denen Vertriebsfirmen wie Sunday Naturals ihre Produkte direkt verkaufen, kam Amazon 2025 auf mehr als 40 Prozent des gesamten Umsatzes mit den einbezogenen Gesundheitsprodukten im Netz – und zwar ohne eigene Apotheke.
Bricht man die Zahlen herunter, ergibt sich folgendes Bild: 1,3 Milliarden Euro entfallen auf Händler, die Gesundheitsprodukte auf Amazon verkaufen, aber keinen Apothekenhintergrund haben. Vor allem im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel tummeln sich hier zahlreiche große und kleine Anbieter. Amazon selbst setzt demnach 954 Millionen Euro mit den einbezogenen Gesundheitsprodukten um – teilweise auch im Namen der Hersteller. Auf Versandapotheken entfallen 451 Millionen Euro.
Diesen Bereich dominieren laut Kaske eine Vielzahl von Kleinstapotheken, die einen Schwerpunkt auf den Vertrieb über Amazon gesetzt haben und ein Sortiment von wenigen hunderten Produkten. Daneben sind hier kleine bis mittlere Versandapotheken mit erweitertem Sortiment zu finden, darunter Homöopathiefuchs (Sanicare), Bodfeld und Sparmed. Der Umsatz dieser Anbieter liegt bei etwa 145 Millionen Euro.
Dahinter liegen einige größere Versandapotheken mit einem deutlich größeren Produktspektrum. DocMorris etwa erwirtschaftet laut Kaske über Marken wie Esando und Apotal nicht weniger als 11 Prozent seines Umsatzes von zuletzt rund 950 Millionen Euro über Amazon. Bei Apo.com sind es demnach sogar 30 Prozent, dritter Anbieter in dieser Gruppe ist Aponeo (Markol-Gruppe). Zusammen kommen diese drei Anbieter auf rund 135 Millionen Euro.
Auf 20 Millionen Euro kommt Apohealth, der Webshop des Münchener Apothekers Dr. Michael Grintz mit einem starken Fokus auf den Marktplatz und einer historisch engen Zusammenarbeit mit Amazon.
Dagegen sind andere große Versender wie Shop Apotheke und Medikamente per Klick, aber auch Drogerieketten wie dm oder Rossmann aktuell nicht mit eigenen Angeboten bei Amazon vertreten.
Größter Bereich ist das Sortiment der Nahrungsergänzungsmittel. Hier gab es laut Kaske mit knapp 27 Prozent im vergangenen Jahr auch das größte Wachstum. Allerdings sind hier zahlreiche Produkte zu finden, die komplett abseits der Apotheke oder sogar exklusiv über Amazon vertrieben werden – die der Offizin aber natürlich ebenfalls Konkurrenz machen.
Zweitgrößte Kategorie ist der Bereich medizinische Kosmetik und Körperpflegeprodukte. 639 Millionen Euro wurden hier im vergangenen Jahr umgesetzt – ein Plus von 14 Prozent. Hier sind laut Kaske zahlreiche Apothekenmarken zu finden; einzelne Hersteller sollen ihr Geschäft auf Amazon im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt haben.
Gerade einmal halb so groß ist der Bereich der OTC-Medikamente, aber auch hier gab es im vergangenen Jahr ein Plus von 7 Prozent.
Für Kaske ist Amazon ein ernst zu nehmende Player im Gesundheitsmarkt. „Da läuft richtig viel“, sagt CEO Fabian Kaske. Die Kernzielgruppe sei 30 bis 65 Jahr alt, tendenziell eher weiblich. Viele Kundinnen und Kunden hätten ein Prime-Abo, entsprechend hoch sei der Anteil an Wiederkäufern und Abo-Nutzern. Für Pharmahersteller bedeute das: Amazon sei nicht nur Vertriebskanal, sondern ein eigener Wettbewerbsraum mit Seller-, Pricing-, Content- und Buybox-Logik.