Johns Hopkins University

Abnehmspritze: Längeres Leben steigert Demenzrisiko

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Berlin -

Eine aktuelle Studie der Johns Hopkins University untersucht die Auswirkungen einer GLP-1-Therapie bei Patient:innen mit Typ-2-Diabetes. Die Ergebnisse zeigen eine höhere Lebenserwartung, aber auch ein über zehn Jahre gestiegenes Risiko für kognitive Beeinträchtigungen. Besonders bei über 80-Jährigen ist laut der Untersuchung Vorsicht geboten.

Die Untersuchung konzentrierte sich auf Menschen ohne kognitive Vorerkrankungen oder frühere Schlaganfälle. Als Datenbasis diente das TriNetX-Forschungsnetzwerk, das anonymisierte klinische Daten aus elektronischen Patientenakten weltweit bündelt. Über dieses System wurden Informationen von mehr als 512.000 Personen ausgewertet.

Für die Analyse wurden zwei Gruppen gebildet: Patient:innen, die GLP-1-Medikamente erhielten, und eine Kontrollgruppe aus Diabetiker:innen ohne diese Medikation.

Zusammenhang von Überlebensrate und Demenzdiagnosen

Über einen Zeitraum von zehn Jahren erhielten 2,6 Prozent der GLP-1-Anwender:innen eine Demenzdiagnose, während dieser Anteil in der Vergleichsgruppe bei 1,3 Prozent lag. Im gleichen Zeitraum sank jedoch die Sterblichkeitsrate in der Medikamentengruppe deutlich von 8,2 Prozent auf 3,9 Prozent.

Die Wissenschaftler:innen erklären das höhere Aufkommen an Demenzfällen damit, dass die behandelten Personen seltener vorzeitig versterben. Sie erreichen somit ein höheres Alter, in dem das Risiko für kognitive Erkrankungen natürlicherweise ansteigt.

In der Vergleichsgruppe traten kognitive Defizite seltener auf, da ein größerer Teil der Patient:innen bereits vor einer möglichen Diagnose verstarb.

Vergleichbarkeit durch statistische Zwillinge

Zur statistischen Absicherung nutzten die Forschenden ein Matching-Verfahren. Dabei wurden 88.038 Paare aus jeweils einer Person mit und einer Person ohne GLP-1-Therapie gebildet. Diese Paare stimmten in Alter, Geschlecht und Body-Mass-Index exakt überein. Auch bei den Vorerkrankungen, Laborwerten und weiteren Medikamenten waren die Partner nahezu identisch.

Bei der gemeinsamen Betrachtung von Erkrankungsrisiko und Sterblichkeit ergab sich für die Gruppe der 50- bis 80-Jährigen kein statistisch signifikanter Unterschied. Die kombinierte Belastung aus Demenz und Sterblichkeit lag hier bei 6,1 Prozent für die Medikamenten-Gruppe gegenüber 9,1 Prozent in der Vergleichsgruppe. Patient:innen in ihren 50er Jahren zeigten dabei den größten gesundheitlichen Nutzen durch die Therapie.

Besonderes Risiko für Hochbetagte

Ein anderes Bild zeigte sich jedoch bei Menschen über 80 Jahren. In dieser Gruppe stieg das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen von 3,8 Prozent auf 10,6 Prozent an. Auch die kombinierte Belastung aus Krankheit und Mortalität lag mit 20,6 Prozent deutlich über dem Wert der Vergleichsgruppe von 14,5 Prozent.

„Bei älteren Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes war die Gabe von GLP-1-Analoga mit einem erhöhten Risiko für kognitive Beeinträchtigungen verbunden, das mit einem geringeren Sterberisiko einherging“, betonen die Forschenden in Ihrer Schlussbemerkung. „Dennoch ist bei der Verschreibung von GLP-1-Analoga an sehr alte Patienten Vorsicht geboten.“

Die Studie mit dem Titel „Long-Term Risk of Cognitive Impairment with GLP-1 Analogues in Older Adults with Type 2 Diabetes Mellitus“ wurde von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Johns Hopkins University School of Medicine durchgeführt und kürzlich auf der Jahrestagung der American Academy of Neurology in Chicago veröffentlicht.

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