Beratungstipps

Sonnenschutz: Deshalb reicht LSF 30 nicht

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Berlin -

„Geben Sie mir nur Lichtschutzfaktor 30, ich fahre ja nicht in den Urlaub“ – mit Sätzen wie diesen sind Apothekenteams bestens vertraut. Der sogenannte Lichtschutzfaktor (LSF) dient bei Sonnenpflegeprodukten dabei als zentrale Orientierungshilfe. Allerdings sorgt er in der Bevölkerung – neben zahlreichen Mythen – oft für Unsicherheit. Apothekenteams haben hier die Chance, gezielt aufzuklären und wichtige Beratungstipps mit auf den Weg zu geben.

Der LSF dient als Orientierungshilfe bei der Wahl des passenden Sonnenschutzmittels. Er bezieht sich auf die kurzwellige UVB-Strahlung, die lediglich in die Epidermis eindringt, dort jedoch als Hauptursache für Sonnenbrand gilt.

Im Gegensatz dazu erreicht die langwellige UVA-Strahlung tiefere Hautschichten und begünstigt gleichzeitig die vorzeitige Hautalterung. Ein kreisumschlossenes UVA-Symbol auf der Umverpackung des Produkts garantiert hierbei, dass dieser Schutz mindestens ein Drittel des angegebenen Lichtschutzfaktors ausmacht.

Die Berechnung der Schutzdauer

Die theoretische Aufenthaltsdauer in der Sonne ergibt sich aus der Multiplikation der individuellen Eigenschutzzeit mit dem gewählten Lichtschutzfaktor. Die Eigenschutzzeit beschreibt die Zeitspanne, in der sich Personen ohne aufgetragene Sonnenpflege der Sonne aussetzen können, ohne eine Rötung oder Sonnenbrand zu erleiden. Zur Ermittlung dieses Wertes dient die Klassifizierung nach Fitzpatrick:

  • Typ 1 (Keltisch): Sehr helle Haut, Sommersprossen, rötliches Haar. Eigenschutzzeit ca. fünf bis zehn Minuten. Wird immer rot, nie braun.
  • Typ 2 (Nordisch): Helle Haut, blonde Haare. Eigenschutzzeit ca. 10 bis 20 Minuten. Wird meist rot, kaum braun.
  • Typ 3 (Mischtyp): Hellbraune Haut, dunkelblonde oder braune Haare. Eigenschutzzeit ca. 20 bis 30 Minuten. Wird selten rot, gut braun.
  • Typ 4 (Mediterran): Bräunliche Haut, dunkle Haare. Eigenschutzzeit über 30 Minuten. Wird fast nie rot, immer braun.

Beispiel: Eine Person mit dem nordischen Hauttyp 2 verfügt über eine Eigenschutzzeit von etwa 10 Minuten. Bei der Verwendung von Lichtschutzfaktor 30 ergibt sich rechnerisch eine maximale Schutzdauer von 300 Minuten.

Nachcremen ist keine Verlängerung

In der Praxis sollte diese theoretische Zeit jedoch niemals voll ausgeschöpft werden. Ein erneutes Auftragen des Sonnenschutzmittels verlängert diese Gesamtdauer nicht. Das Nachcremen dient lediglich dazu, den bestehenden Schutzfilm bei Verlust durch beispielsweise Schweiß oder Wasser zu stabilisieren.

Ist diese Zeitspanne abgelaufen, benötigt die Haut zwingend eine Regenerationspause im Schatten. Ein weiterer Aufenthalt in der Sonne würde trotz Nachcremens das Risiko für Zellschäden massiv erhöhen. Die Haut kann die UV-Belastung für diesen Tag nicht mehr sicher kompensieren.

LSF 30 für Zuhause, 50 für den Urlaub?

Viele Anwendende fragen im HV nach LSF 30, weil sie befürchten, mit LSF 50 gar nicht mehr braun zu werden. Das ist ein sich hartnäckig haltender Trugschluss: Da kein Produkt die UV-Strahlung zu 100 Prozent blockiert, bräunt die Haut auch bei hohem Schutz. Bei Sonnenschutz handelt es schließlich nicht um einen Sunblocker. Dieser Begriff ist irreführend und in der EU für die Vermarktung untersagt, da er einen vollständigen Schutz suggeriert, den es physikalisch nicht gibt.

Bei jeder Bräunung handelt es sich um eine Abwehrreaktion der Haut auf eintreffende Strahlung. Sobald UV-Licht die Zellen erreicht, wird Melanin produziert, um das Erbgut vor Schäden zu schützen. Da selbst LSF 50 etwa 2 Prozent der Strahlung durchlässt, findet dieser Prozess auch hier statt – allerdings deutlich langsamer, weitaus sicherer und ohne das Risiko eines akuten Sonnenbrands. Anwendende werden also gesünder braun, da die Haut nicht schlagartig geschädigt wird.

Ein LSF 30 filtert in der Theorie 96,7 Prozent der UVB-Strahlen, während LSF 50 etwa 98 Prozent abfängt. In der Praxis ist dieser kleine Unterschied entscheidend, weil viele Menschen zu wenig Creme nutzen und der Schutz dadurch drastisch einbricht. Ein LSF 50 bietet hier praktisch eine Sicherheitsreserve: Selbst bei zu dünnem Auftrag bleibt oft noch ein Schutzwert von 15 bis 20 übrig, während LSF 30 unter gleichen Bedingungen schnell in einen kritischen Bereich sinkt.

Chemische und mineralische Filter

Die Wahl des Filters ist eine Abwägung zwischen Komfort und Verträglichkeit. Chemische Filter ziehen in die Haut ein und wandeln die UV-Strahlung in Wärme um. Sie sind auf der Haut unsichtbar, benötigen jedoch eine Vorlaufzeit von etwa 20 Minuten vor dem Sonnenbad.

Innerhalb dieser Gruppe gibt es qualitative Unterschiede: Ältere Filter wie Oxybenzon oder Octocrylen stehen wegen möglicher hormoneller Wirkungen und Umweltbelastungen in der Kritik. Zudem kann Octocrylen bei langer Lagerung in gesundheitlich bedenkliche Stoffe zerfallen. Moderne Produkte setzen daher vermehrt auf stabilere Alternativen wie Tinosorb. Diese sind photostabiler, dringen kaum in den Blutkreislauf ein und gelten als deutlich hautverträglicher sowie umweltschonender.

Mineralische Filter bestehen meist aus Titandioxid oder Zinkoxid und wirken wie kleine Spiegel auf der Hautoberfläche. Sie bieten sofortigen Schutz nach dem Auftragen und sind ideal für Allergiker:innen und Kinder geeignet. Da sie nicht in die Haut einziehen, sondern physikalisch reflektieren, können sie jedoch einen sichtbaren weißen Film auf der Haut hinterlassen. Um diesen sogenannten Weißeleffekt zu reduzieren, werden mittlerweile oft Nanopartikel verwendet.

Darüber hinaus kombinieren viele Hersteller beide Filterarten in Hybrid-Produkten, um optimale Schutzwirkung mit hohem Anwendungskomfort zu vereinen.

Dosierung, Haltbarkeit und äußere Einflüsse

Damit der angegebene Lichtschutzfaktor tatsächlich erreicht wird, muss das Produkt nach der Devise „viel hilft viel“ großzügig aufgetragen werden. Als praktische Faustregel für das Gesicht und den Hals dient die sogenannte Zwei-Finger-Regel, bei der zwei volle Produktstreifen auf Zeige- und Mittelfinger der benötigten Menge entsprechen. Für den gesamten Körper eines Erwachsenen sollten etwa drei bis vier Esslöffel Sonnenschutzmittel verwendet werden.

Neben der Menge spielt die Haltbarkeit eine entscheidende Rolle für die Sicherheit. Nach dem Öffnen sind die meisten Produkte etwa zwölf Monate verwendbar, was durch das Tiegel-Symbol auf der Packung gekennzeichnet ist. Eine Verwendung über diesen Zeitraum hinaus ist nicht ratsam, da UV-Filter mit der Zeit instabil werden können.

Extreme Hitze, wie sie etwa im Auto entsteht, beschleunigt diese Prozesse massiv. Setzt sich das Öl vom Rest der Creme ab oder riecht das Produkt untypisch, sollte es unbedingt entsorgt werden. Einfluss von Medikamenten Zusätzlich ist in der Beratung zu beachten, dass bestimmte Medikamente die Lichtempfindlichkeit der Haut massiv erhöhen können.

Checkliste

Um die maximale Schutzwirkung im Alltag sicherzustellen und die Hautgesundheit langfristig zu erhalten, können Apothekenteams folgendes Empfehlen:

  • Sonnenschutz-Hierarchie beachten: Vorrang haben das Meiden der prallen Sonne und das Tragen schützender Kleidung. Sonnenschutzmittel ergänzen diesen Schutz an allen unbedeckten Hautstellen.
  • Wahl des LSF: Abstimmung auf den individuellen Hauttyp und den aktuellen UV-Index
  • Breitband-Schutz: Sicherstellung von UVB- und UVA-Schutz
  • Wirkzeit beachten: Bei chemischen Filtern eine Vorlaufzeit von etwa 20 Minuten einplanen
  • ausreichende Menge: Anwendung der Zwei-Finger-Regel für das Gesicht; drei bis vier Esslöffel für den Körper.
  • Haltbarkeit prüfen und extreme Hitze bei der Lagerung vermeiden
  • Nachcremen: Regelmäßige Erneuerung nach dem Baden oder Schwitzen zur Stabilisierung des Schutzfilms
  • Zeitmanagement: Meiden der intensiven Mittagssonne zwischen 11 und 16 Uhr
  • Medikamente: Bei Einnahme auf eine mögliche Photosensibilität achten
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