Die Nacht soll zur Regeneration dienen. Für Menschen mit Neurodermitis wird sie jedoch oft zur psychischen und physischen Herausforderung. Der Grund: unerträglicher Juckreiz (Pruritus), der pünktlich mit dem Ausschalten des Lichts einsetzt.
Laut Daten, die unter anderem von der Debeka gestützt werden, leiden rund 83 Prozent der Neurodermitis-Betroffenen in Deutschland während eines Schubs unter massiven Schlafstörungen. Während sich der Juckreiz tagsüber noch halbwegs aushalten lässt, wird er nachts unerträglich.
Die Intensitätssteigerung des Juckreizes in der Nacht wird durch eine Übersichtsarbeit, die im Fachjournal Archives of Dermatological Research veröffentlicht wurde, bestätigt. Hierbei konnten vier Hauptfaktoren isoliert werden.
Tagsüber dämpft das körpereigene Stresshormon Cortisol Entzündungen und hält den Juckreiz in Schach. Gegen Abend fällt die Cortisolkurve jedoch natürlicherweise auf ihren Tiefpunkt ab. Der schützende Entzündungshemmer fehlt genau dann, wenn der Körper zur Ruhe kommen soll.
Die Haut verliert in den Nachtstunden am meisten Feuchtigkeit – in der Medizin bekannt als erhöhter transepidermaler Wasserverlust (TEWL). Bei Neurodermitis, deren Kernsymptom ohnehin eine defekte Barrierefunktion ist, führt diese nächtliche Austrocknung zu einer extremen Überempfindlichkeit der Nervenenden.
Um einzuschlafen, senkt der Körper seine Kerntemperatur. Die überschüssige Hitze gibt er über die Haut ab. Die Folge: Die Hauttemperatur steigt, die Gefäße weiten sich und es entsteht minimaler Schweiß. Für die atopische Haut wirkt Schweiß wie ein Brandbeschleuniger.
Tagsüber filtert das Gehirn Juckreizreizsignale durch visuelle und akustische Ablenkung im Alltag heraus. Fällt diese Reizüberflutung nachts weg, fokussiert sich das Nervensystem ungefiltert auf das Signal, dass es juckt.
Eine schlechte Schlafqualität kann die Neurodermitis verschlimmern, denn der Körper produziert mehr Entzündungsbotenstoffe. Forschende des King's College London zeigten 2024 im Fachjournal Allergy: Botenstoffe wie Interleukin-6 stören den Schlaf und befeuern zugleich Entzündungsreaktionen. In Folge wird der Juckreiz stärker und der Schlaf schlechter.
Die Debeka will Menschen helfen, mit gezielten Maßnahmen den Teufelskreis zu durchbrechen.
„Alle Schlaftipps helfen, aber sie ersetzen keine gute Therapie. Je besser die Neurodermitis eingestellt ist, desto weniger Juckreiz gibt es“, erklärt die Debeka. Neue, zielgerichtete Medikamente können selbst bei schweren Verläufen den Juckreiz deutlich reduzieren. „Wer das Gefühl hat, nicht gut eingestellt zu sein, sollte das Gespräch mit Hautärztin oder Hautarzt suchen. Denn wer nachts schläft, heilt tagsüber besser“, betont die Debeka.
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