Dem Robert Koch-Institut (RKI) wurden bis zum 13. April 2026 bereits 918 Fälle von Lyme-Borreliose übermittelt. Nicht immer sind die Symptome eindeutig und nicht jeder Betroffene entwickelt eine Wanderröte. Was ist nach dem Zeckenstich wichtig und wann wird ein Antibiotikum nötig? Ein Überblick.
Die Lyme-Borreliose wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi ausgelöst. Übertragen wird es durch infizierte Zecken, die Menschen stechen. Ein Bluttest kann zwar Hinweise auf Antikörper gegen die Borreliose-Erreger geben, aber häufig haben sich diese zum Zeitpunkt der Untersuchung noch nicht in ausreichender Menge gebildet. Daher sind die Ergebnisse oft nicht eindeutig zu interpretieren. Ein typisches Erkennungsmerkmal ist jedoch die Wanderröte.
Die charakteristische „Erythema migrans“ tritt nicht bei allen Betroffenen auf. Im Verlauf der Erkrankung können grippeähnliche Symptome wie Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen oder Muskelschmerzen und Fieber auf eine Borreliose hinweisen. Die Behandlung einer rechtzeitig diagnostizierten Borreliose erfolgt antibiotisch mit Doxycyclin. Therapiealternativen sind Cefuroximaxetil oder Azithromycin. Laut den aktuellen medizinischen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ist das Auftreten einer Wanderröte eine absolute Indikation für eine Antibiotikatherapie.
Die Bakterien können unbemerkt verschiedene Organe oder auch die Gelenke befallen. Erst Monate später kann es dann zu Hirnhaut- oder Herzmuskelentzündung oder der sogenannten Lyme-Arthritis kommen. Die lange Inkubationszeit erschwert eine Diagnose. Betroffene klagen meist über brennende Nervenschmerzen, Taubheitsgefühle oder Sehstörungen, die durch eine entstandene Neuroborreliose bedingt sind. Fakt ist: Je länger die Zecke in der Haut verbleibt, umso höher ist das Risiko für eine Borreliose-Infektion. Wichtig: Eine überstandene Borreliose bietet keinen Schutz vor einer erneuten Infektion.
Muss eine Zecke entfernt werden, eignet sich eine spezielle Zecken-Pinzette oder eine Zecken-Karte am besten. Dabei wird die Zecke so nah wie möglich an der Einstichstelle gegriffen und ohne quetschen langsam senkrecht nach oben herausgezogen. Anschließend sollte die Einstichstelle desinfiziert werden. Auf kuriose Tipps, wie „rausdrehen“ oder „in Öl tränken“, sollte man verzichten.
Keine Panik, der Zeckenkopf stellt kein erhöhtes Borreliose-Risiko mehr dar. Er wird wie ein kleiner Fremdkörper, ähnlich einem Holzsplitter, vom Körper nach außen abgestoßen. Ein „Herumstochern“ in der Haut erhöht nur das Risiko für eine Sekundärinfektion mit Staphylokokken.
Gegen Juckreiz und Schwellung hilft einfache Kühlung. Wenn die Stelle stark juckt oder entzündet ist, kann eine dünne Schicht einer leichten Hydrocortison-Creme für ein bis zwei Tage helfen, die lokale Immunantwort zu beruhigen. Antibiotische Salben sollten nicht zum Einsatz kommen. Diese sind oberflächlich meist nutzlos gegen Borrelien, die tief in die Dermis injiziert werden, und können das Hautbild verfälschen, falls es nach dem Stich zur Wanderröte kommen sollte.
Betroffene können die Stelle mit einem wasserfesten Stift in einem kleinen Kreis nachzeichnen. Auch ein Foto mit einem Größenvergleich, wie einer Münze, kann helfen, die Hautstelle zu beobachten; empfohlen werden etwa 30 Tage.
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