Aciclovir war bislang nur als Creme – allein oder in Kombination mit Hydrocortison – bei Lippenherpes rezeptfrei erhältlich. Mit der Änderung der Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) ist nun auch der Weg frei für eine nicht verschreibungspflichtige Aciclovir-Bukkaltablette.
Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung tragen das Herpes simplex-Virus Typ 1 (HSV1) in sich. Eingenistet in den Nervenzellen des Rückenmarks, bricht es im Falle einer Aktivierung beispielsweise durch Stress oder Sonnenstrahlung aus. Ein Lippenherpesausbruch verläuft in der Regel in fünf Phasen. Vorboten sind Spannungsgefühl, Brennen, Kribbeln und Jucken. Wer diese Symptome bemerkt, befindet sich bereits in der ersten Phase – der Prodromal- oder Vorläuferphase. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt mit der Behandlung zu beginnen, denn die Zahl der Viren ist noch gering und das Virus kann in Schach gehalten werden. In den ersten 48 Stunden findet hauptsächlich die Vermehrung statt. Unbehandelt dauert ein Ausbruch zwischen sieben und zehn Tagen.
Die Bläschen bilden sich in Phase zwei, gefolgt von der offenen Wundphase. Das vierte Stadium ist von Verkrustung gekennzeichnet, gefolgt von Phase fünf, der Abheilungsphase. Wichtig ist es, trotz Kribbeln und Juckreiz die Finger von den Bläschen zu lassen. Werden diese aufgekratzt, kann sich die infektiöse Flüssigkeit verteilen. Außerdem können pathogene Keime in die Wunde gelangen.
Behandelt wird im Rahmen der Selbstmedikation unter anderem mit topischem Aciclovir. Der Wirkstoff verursacht einen Kettenabbruch. Denn Aciclovir wird von der Virus-DNA-Polymerase in die Virus-DNA eingebaut. In Kombination mit Hydrocortison wird nicht nur die Virusvermehrung, sondern auch die Entzündung gemindert. Schon bei frühzeitiger Anwendung kann die Bläschenbildung verhindert werden. Außerdem wird die Heilungszeit verkürzt und die Gesamtfläche von Bläschen, Krusten und Wunden reduziert.
Mit dem OTC-Switch ist der Weg frei für eine weitere Aciclovir-haltige Behandlungsoption – die Bukkaltablette. Rezeptfrei sind Aciclovir-haltige Bukkaltabletten in Konzentrationen von 50 mg je abgeteilter Arzneiform zur Anwendung bei rezidivierendem Herpes labialis bei immunkompetenten Erwachsenen in Packungsgrößen bis zu 100 mg.
Die Tablette sollte im Idealfall eine Stunde nach Auftreten der ersten Symptome wie Juckreiz, Brennen und Rötung angewendet werden. Dazu wird die Tablette auf dem Zahnfleisch oberhalb des Schneidezahns platziert und löst sich im Laufe des Tages auf. Die Tablette soll nicht geschluckt werden, passiert dies, sollte ein Glas Wasser getrunken werden.
Penciclovir ist auch in der Papel- und Bläschenphase wirksam und hemmt die Replikation der Virus-DNA. Die Virusvermehrung wird gestoppt, der Heilungsprozess vorangetrieben und Schmerzen gemindert. Aufgetragen wird die Creme im Abstand von zwei Stunden – mindestens sechsmal täglich.
Docosanol kann ebenfalls bei den ersten Anzeichen wie Kribbeln, Schmerzen oder Rötung fünfmal täglich aufgetragen werden. Der langkettige gesättigte Alkohol ist wie sein Hauptmetabolit Docosansäure Bestandteil menschlicher Zellmembranen. In vitro verhinderte der Wirkstoff eine Fusion zwischen lipidumhüllten Viren wie den Herpesviren und der Plasmamembran. Somit können die Virusaufnahme in die Zellen und dessen Replikation verhindert werden.
Zinksulfat/Heparin soll drei bis sechsmal täglich beim ersten Kribbeln aufgetragen werden. Zinksulfat kann das Austrocknen der Bläschen unterstützen.
Melissenextrakt soll die Hautzellen vor dem Eindringen des Virus schützen und diesen unschädlich machen. Die Wirkung wird auf die enthaltene Rosmarinsäure zurückgeführt.
Herpes-Patches sind die wirkstofffreie Alternative zur Creme. Die Hydrokolloid-Pflaster decken den infizierten Bereich ab und können so die Übertragung und Ausbreitung der Viren eindämmen. Das Pflaster nimmt zudem das Bläschensekret und sorgt für ein ideales feuchtes Wundheilungsmilieu. Die Wunde heilt schneller ab und die Krustenbildung ist vermindert.
Auch Hitze kann helfen: Per Stift mit keramischer Kontaktfläche kann ein kurzer konzentrierter Wärmeimplus von etwa 51 Grad erzeugt werden. Die Temperatur wird für etwa drei Sekunden aufrechterhalten – solange sollte auch Kontakt mit der Lippe bestehen.
Lysinhaltige Nahrungsergänzungsmittel sollen im Falle einer HSV1-Infektion Linderung verschaffen. Die Aminosäure soll die Argininverwertung der Viren reduzieren und so die Virusvermehrung stoppen. Lysin verdrängt Arginin im Körper und entzieht dem Virus so die Lebensgrundlage.
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