Trügerische Sicherheit

Cholesterin: Medikamente maskieren Risiko

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Berlin -

Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich die Blutdruck- und Cholesterinwerte von älteren Menschen mit Adipositas drastisch denen von Normalgewichtigen angenähert haben. Der Grund für diese Entwicklung: Die zunehmend medikamentöse Behandlung mit Blutdruck- und Cholesterinsenkern im höheren Alter. Experten warnen jedoch vor einem trügerischen Sicherheitsgefühl, da diese positiven Effekte bei jüngeren Übergewichtigen kaum messbar sind. Zudem bleibt das Risiko für andere schwerwiegende Folgeerkrankungen der Adipositas hoch.

Zur Senkung zu hoher Cholesterinwerte werden standardmäßig Statine eingesetzt. Diese blockieren die körpereigene Cholesterinproduktion in der Leber und senken das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle hocheffektiv. Statine bekämpfen jedoch nur das Symptom und nicht die zugrundeliegenden Ursachen von Übergewicht.

Zunehmende Medikation

Eine aktuelle, im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlichte Studie der NCD Risk Factor Collaboration mit dem Titel „Metabolic traits in obesity and normal BMI in industrialised countries: a multi-country analysis of national population-based studies“ zeigt nun, dass sich die Blutdruck- und Cholesterinwerte von älteren Menschen mit Adipositas in Industrieländern drastisch denen von Normalgewichtigen angenähert haben. Grund für diese Entwicklung ist die zunehmend erfolgreiche und aggressive medikamentöse Behandlung mit Blutdruck- und Cholesterinsenkern im höheren Alter.

Trügerische Sicherheit

Die Experten warnen jedoch vor einem trügerischen Sicherheitsgefühl, da diese positiven Effekte bei jüngeren Übergewichtigen kaum messbar sind. Zudem bleibt das Risiko für andere schwerwiegende Folgeerkrankungen der Adipositas wie Typ-2-Diabetes oder Krebs, trotz der verbesserten Laborwerte vollkommen unverändert hoch.

Untersucht wurde, wie sich kardiovaskuläre Risikofaktoren, wie hoher Blutdruck und ungesunde Cholesterinwerte, bei Menschen mit Adipositas im Vergleich zu Menschen mit normalem Body-Mass-Index (BMI) über die Zeit verändert haben. Die Analyse basiert auf Daten aus nationalen, bevölkerungsbasierten Studien in Industrieländern wie den USA und England.

Unterschiede verringert

Bei Erwachsenen über 40 Jahren, insbesondere aber in der Altersgruppe von 60 bis 79 Jahren, haben sich die Unterschiede der Blutdruck- und Cholesterinwerte zwischen Menschen mit Adipositas und Menschen mit normalem BMI drastisch verringert. Konkret: Früher konnten Mediziner anhand des Blutdrucks und Cholesterinspiegels sofort ablesen, wer stark übergewichtig ist und wer nicht. Heute funktioniert das im Alter aber kaum noch.

Am Ende des Untersuchungszeitraums wiesen ältere Menschen mit Adipositas, auch mit einer schweren Form, in Ländern wie den USA und England ähnliche oder teilweise sogar niedrigere Blutdruck- und Cholesterinwerte auf als Gleichaltrige mit Normalgewicht. Die Hauptursache für diese Annäherung ist laut den Forschern die aggressive und erfolgreiche medizinische Behandlung. Sprich der Einsatz von Blutdrucksenkern und Cholesterinsenkern wie Statinen bei älteren übergewichtigen Patienten.

Weiterhin erhöhtes Risiko

Bei jüngeren Erwachsenen mit Adipositas schrumpft diese Lücke hingegen kaum. Das bedeutet, dass jüngere Menschen mit Adipositas weiterhin ein stark erhöhtes, unkontrolliertes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen.

Auch andere Adipositas-Risiken bleiben unberührt: Die Autoren betonen ausdrücklich, dass die medikamentöse Kontrolle von Blutdruck und Cholesterin zwar das akute Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko bei älteren Menschen senkt, andere schwerwiegende Folgen von Adipositas jedoch bestehen bleiben. Dazu gehören ein weiterhin stark erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes, Nieren- und Lebererkrankungen sowie verschiedene Krebsarten.

Stopp für reines Verschreiben

Zwar federe die medikamentöse Therapie einen Teil der kardiovaskulären Schäden ab, die durch Adipositas im höheren Alter entstehen. Die Forscher fordern jedoch integrierte Präventionsstrategien, die über das reine Verschreiben von Tabletten hinausgehen. Denn die allgemeinen gesundheitlichen Folgen von Adipositas stellen nach wie vor eine erhebliche Belastung dar.

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