Wegweisend für Impfstoff-Entwicklung

Blutgerinnsel nach Atemwegsinfekt: Adenoviren verantwortlich

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Berlin -

Adenoviren können in seltenen Fällen lebensbedrohliche Blutgerinnsel auslösen. Ein internationales Forschungsteam hat nun erstmals einen bestimmten Typus identifiziert, der dafür verantwortlich war. Das Wissen kann bei der Entwicklung sicherer Vektorimpfstoffe helfen. An der Studie waren Wissenschaftler:innen der Universitätsmedizin Greifswald, der Universität Duisburg-Essen und der Universität Innsbruck beteiligt.

Ein zwölfjähriger Patient entwickelte eine Woche nach Beginn eines normalen Atemwegsinfekts plötzlich lebensbedrohliche Blutgerinnsel in Kombination mit niedrigen Blutplättchen. Am vierten Tag im Krankenhaus der Medizinischen Universität Innsbruck diagnostizierten die behandelnden Ärzte venöse Thrombosen, darunter eine tiefsitzende Venenthrombose sowie eine Lungenembolie. Aufgrund dieses schwerwiegenden Verlaufs konsultierten sie das Institut für Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald, welches das Krankheitsbild der Virus-induzierten Immunthrombozytopenie und Thrombose (VITT) seit Jahren im Schwerpunkt erforscht.

In Greifswald wies das Team Antikörper gegen das körpereigene Protein Plättchenfaktor 4 als Ursache für die Blutgerinnsel nach. Das ermöglichte eine gezielte Behandlung. Das Kind erholte sich und ist heute beschwerdefrei. Aus einem Abstrich des Patienten wurde in Innsbruck das für den Infekt verantwortliche humane Adenovirus-Typ 3 (HAdV-B3) identifiziert und genetisch charakterisiert.

„Bei einer so seltenen Erkrankung ist die schnelle Zusammenarbeit über Fach- und Ländergrenzen hinweg entscheidend“, sagt Dr. Linda Schönborn vom Institut für Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald, Verantwortliche der Studie. „Gemeinsam konnten wir das für diese seltene Immunreaktion verantwortliche Adenovirus identifizieren und erstmals mit der Entstehung der Blutgerinnsel in Verbindung bringen.“

Wegweisend für Impfstoff-Entwicklung

Adenoviren sind weit verbreitet, nahezu jeder Mensch infiziert sich im Leben mit ihnen. Es ist bekannt, dass natürliche Adenovirus-Infektionen in seltenen Fällen durch eine fehlgeleitete Immunantwort Blutgerinnsel auslösen können. Unklar war jedoch bisher, welche Adenoviren genau dafür verantwortlich sind.

Die aktuelle Studie ist Teil eines größeren Forschungsprojekts: In der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit rund 5,9 Millionen Euro geförderten Forschungsgruppe FOR 5898 „AdBHealth“ erforschen Wissenschaftler:innen verschiedener deutscher Universitäten Adenoviren, ihre Wechselwirkungen mit dem Immunsystem und ihre Nutzung als medizinische Vektoren.

„Adenoviren interessieren uns besonders aus zwei Gründen: Sie verursachen weltweit häufig Infektionen und sind gleichzeitig wichtige Werkzeuge moderner Impfstoffe und Gentherapien“, sagt Professor Thomas Thiele, Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin. „Wenn wir besser verstehen, welche Virusbestandteile Blutgerinnsel auslösen, können wir sowohl die Komplikationen der Infektionen besser einordnen als auch Impfungen sicherer machen.“

Die Erkenntnisse dieses Falles wurden nun in einer Studie im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht. Professor Dr. Karlhans Endlich, Wissenschaftlicher Vorstand der Unimedizin Greifswald, hebt in der Betrachtung des Falls die Bedeutung für Wissenschaft und Versorgung hervor: „Die zusätzlich gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse aus dieser Studie sind ebenso unschätzbar wertvoll für die Impfstoffentwicklung, da sie voraussichtlich in Zukunft Leben retten werden.“

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