Nasenspray gegen Depressionen

Esketamin: Kassen lassen Ärzte abblitzen

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Berlin -

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) wirft den Kassen vor, die Versorgung von depressiven Patientinnen und Patienten mit Esketamin zu erschweren. Es geht um die Frage, welche Ärztegruppen in die Behandlung eingebunden werden können.

Esketamin ist seit einigen Jahren als Nasenspray zur Behandlung einer Major Depression zugelassen bei erwachsenen Patientinnen und Patienten, die in einer aktuellen mittelgradigen bis schweren depressiven Episode auf mindestens zwei unterschiedliche Therapien mit Antidepressiva nicht angesprochen haben oder die nach ärztlichem Ermessen einen psychiatrischen Notfall darstellen. Dabei ist jeweils eine Kombination mit einer oralen antidepressiven Therapie (SSRI/SNRI) vorgesehen. Die Verordnung darf nur durch einen Psychiater erfolgen.

Die Anwendung des Medikaments erfolgt über mehrere Wochen – und zwar mehrmals pro Woche. Aufgrund der Nebenwirkungen muss die Therapie in einem medizinischen Umfeld unter Beobachtung stattfinden, beispielsweise um den Blutdruck zu kontrollieren. Diese Aufgabe können auch Hausärzte, Neurologen und bestimmte andere Fachgruppen übernehmen.

Die KBV hatte eine Ausweitung auf weitere Fachgruppen vorgeschlagen. „Damit hätten die Betroffenen schnell und wohnortnah versorgt werden können.“

Doch die Kassen haben einen Beschlussentwurf für den Bewertungsausschuss laut KBV rundheraus abgelehnt – und damit eine Chance zur Verbesserung der Versorgung dieser schwer erkrankten Patientinnen und Patienten vertan.

„Wir appellieren an die Kassenseite, umzudenken, wenn ihr eine gute medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten wichtig sein sollte. Denn gestern ging es ihr ausschließlich um knallharte Sparpolitik“, kommentierten KBV-Chef Dr. Andreas Gassen sowie Vize Dr. Stephan Hofmeister.

Das Nasenspray wird unter dem Namen Spravato von Janssen vertrieben und kostet rund 600 Euro (3 Stück) oder 1200 Euro (6 Stück).

Esketamin kann einen vorübergehenden Anstieg der systolischen und/oder diastolischen Blutdruckwerte verursachen, dessen Spitzen etwa 40 Minuten nach Anwendung des Arzneimittels erreicht werden und etwa ein bis zwei Stunden anhalten. Ein substanzieller Anstieg des Blutdrucks kann während jeder Behandlungssitzung auftreten. Das Arzneimittel ist bei Patienten, für die ein Anstieg des Blutdrucks oder des intrakraniellen Drucks ein schwerwiegendes Risiko darstellt, daher kontraindiziert.

Patienten mit kardiovaskulären und zerebrovaskulären Erkrankungen sollten vor der Verordnung sorgfältig untersucht werden, um zu entscheiden, ob der potenzielle Nutzen von Esketamin die Risiken überwiegt. Bei Patienten, bei denen vor der Anwendung ein erhöhter Blutdruck gemessen wird (allgemeiner Richtwert: > 140/90 mmHg für Patienten unter 65 Jahre und über 150/90 mmHg für Patienten ab 65 Jahre), ist eine Änderung des Lebensstils und/oder Anpassung der pharmakologischen Therapien angezeigt, um den Blutdruck vor Einleitung der Behandlung mit Esketamin zu senken. Bei bereits vor der Anwendung von Esketamin erhöhtem Blutdruck sollte die Entscheidung, den Therapiebeginn mit Esketamin zu verzögern, individuell und unter Berücksichtigung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses getroffen werden.

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