Die Zuzahlung von Arzneimitteln soll steigen – mit erheblichen Auswirkungen. Betroffen sind vor allem Patientinnen und Patienten. Doch auch in Apotheken ist die Sorge vorhanden, dass dadurch die Therapie leidet. Erol Gülsen von der Glückauf-Apotheke in Kamp-Lintfort warnt vor den Folgen.
Gülsen weiß, dass die Zuzahlung ohnehin schon für viele Kundinnen und Kunden ein Thema ist. Aktuell können 5 bis 10 Euro fällig werden. Das Spargesetz von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sieht eine deutliche Anhebung auf zwischen 7,50 bis 15 Euro vor, die in der Apotheke gezahlt werden muss. „Wir als Apotheker sind vollkommen dagegen, dass die Zuzahlung erhöht wird, weil dieses Geld direkt an die Krankenkasse geht“, sagt Gülsen.
Viele Betroffene könnten die Zuzahlung bereits nicht zahlen. „Gesundheit darf kein Luxus sein. Schon jetzt überlegen viele Menschen zweimal, ob sie sich ihre Medikamente leisten können. Eine weitere finanzielle Belastung trifft vor allem die, die ohnehin kämpfen müssen.“ Viele fragten bereits, ob die Apotheke die Zuzahlung nicht vorstrecken könne. Wenn er sich darauf einlasse, sehe er das Geld nie wieder.
Die Erhöhung in der Zuzahlung bereitet ihm auch Kopfzerbrechen, weil er Diskussionen in der Apotheke erwartet. Im Handverkauf bekomme man den Frust und den Ärger ab, sagt er. „Wir sind hier vor Ort, wir wissen, was die Menschen denken. Liebe Politiker, kommt runter aus eurem Elfenbeinturm, geht raus in die Realität und schaut, was ihr der Bevölkerung da zumuten wollt.“
Für die Apotheke bedeute der Anstieg keine zusätzlichen Einnahmen oder gar einen Gewinn. „Wir sind auf jeden Fall dagegen, weil nämlich viele Leute jetzt schon Probleme haben, die Medikamente zu bezahlen.“ Als Konsequenz würden die Arzneimittel „rationalisiert“ und dadurch die Therapie nicht richtig ausgeführt. Nicht bei jedem sei eine Befreiung der Zuzahlung so einfach.
Gülsen betont auch in einem Video, das er bei verschiedenen Social Media-Plattformen veröffentlichte, dass das Geld nicht einfach an die Apotheke oder die Arztpraxis als Gewinn gehe. „Die Zuzahlung landet bei den Krankenkassen.“ Er betont in seinem Beitrag: „Wir sagen Nein.“ Das Video ging viral und bekam etwa bei Facebook rund 1400 Kommentare und wurde mehr als 2000 mal geteilt.
Ein weiterer Aspekt, vor dem Apothekerinnen und Apotheker warnen, sind ausländische Versender. Die Abda betonte, dass höhere Zuzahlungen den Versendern regen Zulauf bescheren würden. Ausländische Versandapotheken verzichteten – abweichend von den Vorgaben des Sozialgesetzbuchs (SGB V) und des Rahmenvertrages – oft auf Zuzahlungen als gezieltes Marketinginstrument, heißt es. Die Erhöhung der Zuzahlung im GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz habe deshalb eine „Nebenwirkung“. DocMorris etwa hatte bereits angekündigt, die Zuzahlung komplett zu erlassen.