Vor wenigen Tagen hat Silke Bürger ihren 80. Geburtstag gefeiert. Damit ist sie die älteste Mitarbeiterin in der Staggenborg-Apotheke in Prisdorf bei Pinneberg. Ans Aufhören denkt sie trotz ihres hohen Alters dennoch nicht. „Ich möchte so lange weiterarbeiten, wie es mir Spaß macht, ich mithalten kann und gebraucht werde“, sagt sie.
Am 12. Mai feierte Bürger ihren 80. Geburtstag und arbeitet nach wie vor mit großer Begeisterung als Apothekerassistentint, umgangssprachlich auch als Vorexaminierte bezeichnet, in Jan Henning Staggenborgs Apotheke. Diese Berufsbezeichnung für pharmazeutisches Personal gibt es heutzutage nicht mehr.
Bürgers Kompetenzen reichen an die eines approbierten Apothekers heran. „Ich berate die Kundschaft zu rezeptpflichtigen und frei verkäuflichen Medikamenten und gebe diese ab. Rezepturen darf ich herstellen und unter bestimmten Voraussetzungen habe ich auch ein Vertretungsrecht“, erklärt sie. Zudem gilt sie als wichtige Bezugsperson im Team – insbesondere für jüngere Kollegen. „Frau Bürger hat unsere Apotheke über viele Jahre hinweg wesentlich mitgeprägt – durch ihre große Erfahrung, ihre Ruhe und ihre besondere Art, auf Menschen zuzugehen“, hebt Staggenborg hervor.
Nach ihrem Abitur im Jahr 1966 wollte Bürger ursprünglich Medizin studieren. „Da das Geld zu Hause knapp war, vermittelte mir ein Nachbarschaftsapotheker eine praktische Ausbildung in seiner Apotheke. Das hat mir sofort gefallen“, schildert sie. „Es folgten die Heirat meines Mannes und die Geburt meiner Kinder. Damit hatte ich das Studium verworfen und pausierte insgesamt 17 Jahre im Beruf“, so Bürger.
Mit Ende 40 entschied sie sich dann aber für die Rückkehr. „Trotz massiver Veränderungen in der Branche, wie dem Einzug von Computern und Neuerungen in der Medikamentenherstellung, eignete ich mir das Wissen in einer zweiwöchigen Probezeit sowie an Abenden und Wochenenden selbst an“, schildert sie.
Seither ist sie für viele Stammkunden eine bekannte und geschätzte Ansprechpartnerin. „Ich sehe die Apotheke nicht nur als Verkaufsstelle, sondern als Ort des Vertrauens für die Sorgen und Nöte der Menschen“, betont sie. Staggenborg fügt hinzu: „Sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Filiale geworden.“ Aktuell arbeite sie etwa sieben Stunden die Woche. „Sie ist dann jeweils für dreieinhalb Stunden bei uns. Ich mag mir nicht vorstellen, wie es einmal ohne sie wird; so sehr gehört sie zur Apotheke dazu.“
Zum Geburtstag gab es für Bürger eine Überraschung: „Sie wurde im Urlaub 80 Jahre alt und als sie dann zurück in die Apotheke kam, gab es einen Sektempfang, einen großen Blumenstrauß, Kaffee und Kuchen und ein paar anerkennende und liebe Worte an sie“, so Staggenborg. „Ich freue mich jedes Mal wenn ich sie in der Apotheke begrüße, denn das ist nicht selbstverständlich“, betont er. Wie lange Bürger noch arbeiten werde sei nicht sicher. „Momentan planen wir in Zeiträumen von einem halben Jahr“, sagt er.
„Es gibt Menschen, die einfach in einer Apotheke arbeiten. Und es gibt Menschen, die ein Stück dieser Apotheke werden. Frau Bürger gehört für mich ganz eindeutig dazu“, so Staggenborg. „Wir sind sehr dankbar, dass sie bis heute bei uns ist.“
Bürger selbst weiß auch nicht, wie lange sie noch mitarbeiten kann. „Ich sage, es geht so lange, wie ich gebraucht werde und Freude habe.“ Denn: „Das ist nicht nur ein Job, das ist meine Berufung.“