In diesem Jahr fielen Valentinstag und der Karnevalssamstag auf einen Tag. Rezeptfälscher nutzten den Trubel um im nordrhein-westfälischen Kreis Kleve mit gefälschten Rezepten Mounjaro (Tirzepatid, Lilly) zu ergaunern. In zwei Apotheken waren sie erfolgreich.
Der männliche Tatverdächtige hatte Mounjaro telefonisch vorbestellt. „Er kam noch am selben Tag vorbei, um es abzuholen“, erinnert sich eine Apothekenangestellte. „Ausgerechnet am Karnevalssamstag. Es war so viel Trubel, dass keiner von uns richtig geschaltet hat – auch nicht bei der Vorbestellung.“
In mehreren Filialen sei das Präparat telefonisch vorbestellt worden, darunter in einer Apotheke in Geldern gegen 10.40 Uhr. Laut Polizei erbeutete der Tatverdächtige Medikamente in einem niedrigen vierstelligen Gesamtwert. Der Vorfall ist mit einem Kamerasystem aufgezeichnet worden.
„Der ist grinsend aus der Apotheke gegangen, das kann man auf der Aufnahme gut erkennen“, ärgert sich die Mitarbeitende. Durch die Vorbestellung sei auch die Telefonnummer des Tatverdächtigen zurückverfolgbar gewesen. „Neben dem Videomaterial haben wir auch die Nummer der Polizei zur Verfügung stellen können.“
Am selben Tag versuchte der Täter es dann in einer weiteren Filiale – kurz vor Feierabend. Auf dem laut Angestellter sehr gut gefälschten Rezept waren zwei Dreierpackungen Mounjaro verordnet worden. „Von der angegebenen Krankenkasse werden in der Regel nur Monatspackungen erstattet“, sagt sie. Darüber hinaus sei die Rezeptfarbe sehr kräftig gewesen. „Etwas pinker als gewöhnlich – aber das kommt hin und wieder vor.“
Auch hier wurde Mounjaro abgegeben. Die Fälschung flog schließlich nach den Feiertagen bei der Rezeptkontrolle auf. „Es war sehr gut gemacht. Das Rezept ging durch viele Hände, leider hatte keiner ein komisches Bauchgefühl.“
Selbst wenn die Fälschung aufgefallen wäre – eine Nachfrage beim Verschreiber hätte nicht stattfinden können. „Geschickterweise haben sich die Fälscher einen Tag ausgesucht, wo sie genau wissen, dass keine Praxis erreichbar ist.“ Auf dem Rezept sei ein Arzt aus dem Landkreis angegeben gewesen, erinnert sich die Mitarbeitende.
Das Apothekenteam habe daraus seine Konsequenzen gezogen. „Wir haben uns daraufhin ein neues Sicherheitssystem überlegt.“ Ist der Kunde im System unbekannt, muss er ab sofort seine Gesundheitskarte bei der Rezepteinreichung vorlegen. „Das schreckt Fälscher meistens ab.“