Keine Zeit für „Smalltalk und Häppchen“

Aus Protest: Klinikgesellschaft sagt Sommerempfang ab

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Berlin -

In diesem Jahr wird es keinen Sommerempfang der Kliniken in der Hauptstadt geben: Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat die Veranstaltung aus Protest abgesagt. Denn angesichts der dramatischen wirtschaftlichen Lage vieler Krankenhäuser sowie der politischen Entscheidungen gegen die Kliniken und ihre 1,4 Millionen Beschäftigten sei eine feierliche Veranstaltung mit den Entscheidungsträgern und Akteuren des Gesundheitswesens nicht vertretbar.

„Die Krankenhäuser in Deutschland stehen unter massivem wirtschaftlichem Druck. Das von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Kürzungsgesetz trifft die Kliniken ins Mark und wird viele Häuser in die Insolvenz treiben. In einer solchen Situation verbietet es sich geradezu, einen Sommerempfang mit Smalltalk und Häppchen zu begehen“, erklärt Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der DKG.

Die Stimmung in den Krankenhäusern sei von großer Unsicherheit und Sorge geprägt. Beschäftigte in den Kliniken blickten mit erheblicher Besorgnis auf ihre berufliche Zukunft, den Fortbestand ihrer Häuser und die Sicherstellung der Patientenversorgung vor Ort. Valide Prognosen würden von einem starken Insolvenzrisiko für rund 50 Prozent aller Krankenhäuser bis zum Jahr 2030 ausgehen.

Mehr Mittel für Proteste

„Vor diesem Hintergrund sehen wir davon ab, Geld der Krankenhäuser für einen festlichen Empfang einzusetzen. Denn die Kliniken finanzieren mit ihren Beiträgen die Arbeit der DKG. Diese jetzt für eine solche Veranstaltung auszugeben, wäre aus unserer Sicht absolut inakzeptabel. Wir werden die Mittel stattdessen nutzen, um die Krankenhäuser in ihrem Protest gegen diese Politik zu unterstützen“, so Gaß.

Dennoch werde der Verband weiterhin die politische Interessenvertretung wahrnehmen. „Auch ohne Sommerempfang werden wir auf dem politischen Parkett Berlins präsent und aktiv bleiben. Alle relevanten politischen Entscheidungsträger haben unsere Alternativvorschläge zu dem jetzt vorgelegten Kürzungsgesetz erhalten. Die darin vorgesehenen planlosen und völlig überzogen Belastungen der Krankenhäuser sind eben nicht ‚alternativlos‘ wie zurzeit gerne behauptet wird“, so Gaß.

Ob im kommenden Jahr wieder ein Sommerempfang stattfinden kann, werde maßgeblich von den politischen Rahmenbedingungen und der weiteren Entwicklung der Krankenhausversorgung abhängen. Angesichts der zu erwartenden dramatischen Lage im Jahr 2027 könnte es wiederum weniger Anlass zum Feiern als zum Protest geben.

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