Markt für Gesundheits-Apps stagniert

Digital Health braucht die Apotheken Tobias Lau, 11.05.2020 14:44 Uhr

Das innovative Potenzial sei da, aber: „Es ist für junge Unternehmen extrem schwer, auf das DVG zu bauen“, so Heinrich. „Es bewegt sich eine Menge, alle wollen irgendwie, aber wir finden noch nicht so richtig zusammen.“ Dabei gilt auch bei den DiGA: Diejenigen, die sie nutzen, berichten von guten Erfahrungen. Von jenen Befragten, die bereits eine Medikamenten-App nutzen, gaben 84 Prozent an, dass sie dank der App deutlich besser mit ihren Arzneimitteln umgehen können und sie regelmäßiger einnehmen. Wenn die allermeisten Patienten mit den digitalen Gesundheitsanwendungen zufrieden sind, warum gibt es dann nicht viel mehr von ihnen? Schachinger sieht dafür mehrere Gründe: Einerseits sei das Potenzial der „Early Adopter“, also der Erstnutzer, offenbar bereits ausgeschöpft, bevor die digitalen Angebote großflächig in die Regelversorgung integriert wurden. „Die Verbreitung von Technologien in der Bevölkerung braucht Jahre“, erklärt Schachinger. „Online-Banking gibt es seit 15 Jahren, aber der Anteil liegt immer noch nur bei knapp der Hälfte der Bankkunden.“

Außerdem ist das Profil der „Early Adopter“ recht klar: Die große Mehrheit ist unter 40, überdurchschnittlich digital aktiv und hat einen akademischen Bildungshintergrund. „Der Trend zur digitalen Zweiklassenmedizin ist absehbar“, so die Marktforscher. Denn jung, digital und gebildet heißt auch, dass die Erstnutzer größtenteils in Eigenregie recherchieren, welche Gesundheitsanwendungen zu ihnen passen. Zwei Drittel der befragten Nutzer gaben an, dass sie sich ihre Informationen online selbst beschaffen. Andere Verbreitungskanäle nehmen zwar in den vergangenen Jahren tendenziell zu, liegen aber nach wie vor weit abgeschlagen: 15 Prozent gaben an, über Werbung in Massenmedien von einer genutzten DiGA erfahren zu haben, 18 Prozent durch Empfehlungen von Krankenkassen, 9 Prozent vom Arzt und gerade einmal 4 Prozent in der Apotheke vor Ort.

„In Deutschland scheinen die Kassen noch einen Vertrauensvorschuss zu genießen“, schlussfolgert Schachinger. Allerdings könnte das Ungleichgewicht bei den Empfehlungen auch auf die Untätigkeit der anderen Player im Gesundheitswesen zurückzuführen sein. 95 Prozent der Befragten gaben an, dass sie noch nie von ihrem Arzt eine Empfehlung für eine digitale Anwendung bekommen haben. „Eine Technikinnovation muss in die Breite. Sie einfach ins Netz zu stellen, reicht nicht“, sagt Schachinger, der vor allem bei den Apotheken Nachholbedarf sieht. „Die Einbindung am Point of Sale hat viel Potenzial.“ Und das werde bisher nicht genutzt. „Die Rolle der Apotheke als Berater ist gigantisch unterbelichtet. Ein Apotheker hat noch mehr Patientenkontakte als ein Arzt und ist eine noch niedrigschwelligere Anlaufstation.“

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