GKV-Erstattung und eRezept

Teleclinic rechnet mit dem Durchbruch , Uhr

Berlin - Teleclinic hat einen der wichtigsten Meilensteine seiner Unternehmensgeschichte erreicht: Die Online-Sprechstunden des Telemedizin-Anbieters sind ab Ende Mai in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) voll erstattungsfähig. „Darauf haben wir fünfeinhalb Jahre hingearbeitet“, sagt Geschäftsführerin Katharina Jünger. Jetzt fehle nur noch ein Baustein, um der Telemedizin endgültig zum Durchbruch zu verhelfen: das eRezept. Jünger rechnet deshalb mit einem großen Schub ab Ende des Jahres.

Zuletzt hatten die Zahlen zur Telemedizin viele Beobachter enttäuscht: Zwar war das Wachstum angesichts der Coronakrise stattlich – aber nur von einem sehr geringen Niveau ausgehend. Lediglich 2 Prozent der Befragten hatten im jüngsten EPatient Survey angegeben, dass sie sich schon einmal telemedizinisch behandelt wurden. Jünger ist davon wenig überrascht. Die Voraussetzungen für eine massive Verbreitung seien nämlich schlicht noch nicht gegeben. „Eine Plattform muss drei zentrale Aspekte vereinen: Die Erstattung muss genauso funktionieren wie vor Ort, sie muss für die Patienten einfach bedienbar sein – was sehr anspruchsvoll ist – und sie muss an die Infrastruktur für das eRezept angeschlossen sein“, sagt Jünger.

Hinter zwei der drei Punkte kann Teleclinic bereits einen Haken setzen. Ab dem 28. Mai sind die Online-Sprechstunden nämlich genauso abrechnungsfähig wie eine Präsenzbehandlung. Auch hier galt wieder: Die Convenience ist entscheidend, diesmal allerdings aufseiten der Ärzte. Denn drei Punkte seien für die Erstattungsfähigkeit zentral gewesen: die KBV-Zertifizierung, die Patientenaufnahme und die Abrechnung. Während die KBV vor allem auf sicherheitsrelevante Aspekte geschaut hat, stellten sich bei der Patientenaufnahme ganz praktische Fragen: Niemand hat einen Kartenleser zu Hause – wie kommt die Versichertenkarte also zum Arzt? Physisch muss sie das aber gar nicht, deshalb können Patienten ihre Versichertendaten künftig in eine Maske eingeben und dem Arzt dann durch kurzes Vorzeigen nochmal einen Abgleich mit dem Lichtbild ermöglichen.

Am anspruchsvollsten sei allerdings der dritte Punkt gewesen: ein möglichst einfaches Abrechnungsmodell für die Ärzte. „Das Thema Online-Sprechstunden ist nur dann für Patienten und Ärzte interessant, wenn es in die Standardprozesse eingefügt werden kann. Es muss so einfach in den Alltag hereinpassen, dass es keinen weiteren Aufwand bedeutet“, sagt Jünger. Deshalb habe Teleclinic die gesamte Dokumentation und Abrechnung in seine Plattform integriert. Bisher mussten Ärzte die Behandlungen in einem eigenen Onlinesystem dokumentieren, das unabhängig von ihrer Praxisverwaltung ist, und die abrechnungsrelevanten Daten dann manuell übertragen. Das falle nun weg.

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