Freie Ärzteschaft schießt gegen Zava, Kry & Co.

„Von der IT-Lobby gepushte Telemedizin entzaubert“ Tobias Lau, 13.05.2020 14:06 Uhr

Berlin - Die Freie Ärzteschaft (FÄ) freut sich über die Ergebnisse der neuen EPatient Survey – die kam nämlich zu dem Ergebnis, dass die Nutzerzahlen der Telemedizin weit hinter den bisherigen Erwartungen zurückbleiben. Für den FÄ-Vorsitzenden Wieland Dietrich ist das eine Bestätigung seiner Auffassung: Den meisten Patienten sei klar, „dass Telemedizin bei Weitem nicht die gleiche Qualität erreichen kann“ wie eine klassische Sprechstunde vor Ort.

Die Zahl der Patienten, die sich im vergangenen Jahr telemedizinisch haben behandeln lassen, hat sich laut der am Montag veröffentlichten Studie fast verdreifacht – das klingt erst einmal nach einem großen Erfolg für die Branche. Die FÄ, bekannt als entschiedener Gegner der Online-Behandlung, begrüßt das dennoch als „die Rückkehr zur patientennahen Medizin“. Denn es handelt sich um die Verdreifachung eines denkbar niedrigen Niveaus: von 0,7 Prozent der Befragten auf rund 2 Prozent. „Wenn aktuell auch durch Corona lediglich 2 Prozent der Befragten Online-Sprechstunden nutzen, ist das ein für mich ernüchterndes Ergebnis“, kommentierte Studienautor Dr. Alexander Schachinger entsprechend.

Was Schachinger ernüchtert, erfreut Dietrich: „In der Corona-Pandemie wird deutlich, dass Onlinesprechstunden per Video keine tragfähige Alternative zur Patientenbehandlung im realen Raum sind, sondern lediglich ein Behelf für besondere Situationen“, sagt er. „Die von der IT-Lobby gepushte Telemedizin ist entzaubert worden.“ Es habe sich durch die Krise offenbart, „wie schnell die Videosprechstunde an ihre Grenzen kommt und letztlich kaum mehr leisten kann als ein Telefonat“.

Und Dietrich wird noch deutlicher: Man könne meist gar nicht von Behandlung sprechen, „das ist in der Regel nur Beratung“. Tatsächliche Behandlungen, Untersuchungen, Vorsorgen und Check-ups könnten per Video gar nicht umgesetzt werden und hätten daher in den vergangenen Wochen oft nicht stattgefunden. So seien körperliche und apparative Untersuchungen, Blutabnahmen oder Abstriche per Telemedizin schlicht unmöglich. Das betreffe sowohl die Diagnostik und Behandlung ganz normaler Krankheiten als auch von Covid-19-Erkrankungen. Dass sich die meisten Telemedizin selbst nur als Ergänzung zur Vor-Ort-Behandlung sehen und ebenfalls darauf verweisen, dass ihre Angebote vor allem für bestimmte leichte Indikationen geeignet sind, erwähnt Dietrich nicht.

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