Telemedizin ohne „akademische Sklavenarbeit“

Gemeinsame Videokonferenz: Arzt, Patient und Apotheker Tobias Lau, 21.05.2020 11:42 Uhr

Berlin - Allzu viele Hoffnungen verbinden die meisten Apotheker mit der Telemedizin bekanntlich nicht – höchstens die, dass sie die Kommunikation mit anderen Leistungserbringern verbessert. Die Deutsche Arzt AG (DAAG) setzt dort an: In sogenannten Multikonferenzen sollen Apotheker, Ärzte und Patienten künftig unkompliziert und gemeinsam die Medikation koordinieren können. Doch das Portfolio der DAAG ist bedeutend umfangreicher: Anders als die landläufig bekannten Telemedizin-Anbieter ist sie bisher eher unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung geblieben. Dabei zählt sie mittlerweile zu den größten Anbietern. Aber statt auf Investoren- und Endkundenansprache setzt sie aber auf ihr Netzwerk innerhalb des Gesundheitswesens: Die Patienten will sie über die Ärzte erreichen, nicht umgekehrt. „Die meisten Anbieter sehen es von der technologischen Seite, aber wir denken von der Seite der Finanzierungsströme“, sagt Vorstandschef Jochen Roeser. „Man kann nämlich nur erfolgreich sein, wenn man Lösungen hat, die die GKV erstattet.“

Der Markt für Telemedizin ist weiter in Bewegung und zieht viele Unternehmer an, die ein lukratives Geschäftsmodell wittern. Das technische Know-how bringen die zweifelhaft mit. Doch das reicht nicht, findet Roeser: „Die wichtigste Voraussetzung ist die feste Verankerung im Gesundheitssystem“, sagt er. „Das muss man verstehen, sonst baut man Systeme am Ökosystem der Kassen vorbei.“ Von dort aus hat Roeser in den zurückliegenden Monaten sein eigenes Telemedizin-Angebot aufgebaut – und zwar unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung.

Denn in der Öffentlichkeit sind andere die großen Player: Zava, Teleclinic und Kry beispielsweise. Für die ist die Sars-CoV-2-Pandemie eine große Chance, ihre Nutzerzahlen in die Höhe zu treiben. Das haben sie nicht zuletzt damit befördert, Leistungserbringern und Patienten Angebote zur freien Verfügung zu stellen. Das hat auch die DAAG getan, allerdings ohne dafür zu trommeln. „Wir waren der erste Anbieter, der seine Lösung in der Coronakrise kostenlos zur Verfügung gestellt hat“, beteuert Roeser. „Wir haben das aber anders als andere nicht an die große Glocke gehängt. Wir wollen nicht mit Beiträgen im Handelsblatt erfolgreich werden, sondern über unser Netzwerk und unsere Verankerung im Gesundheitswesen.“

Aus dem kommt die DAAG: 2015 wurde sie im Umfeld der Novotergum-Gruppe gegründet, einem der größten Physiotherapieunternehmen in Deutschland. Ihr Kernangebot sind digitale Dienstleistungen, von individuellen Websites über Marketingunterstützung und Schulungsangebote bis zum betrieblichen Gesundheitsmanagement und innovativen Versorgungsverträgen mit Krankenkassen. Neues Lieblingskind im Portfolio ist aber die Online-Sprechstunde. Dabei ging die DAAG aber bisher eher nach der Devise vor, langsam und nachhaltig zu wachsen, statt sich mit einem großen Aufschlag berühmt zu machen. „Deshalb haben wir uns in der Vergangenheit zurückgehalten und gesagt, wir machen das erstmal aus dem System heraus.“ Doch dann kam die Coronakrise.

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