Wachsende Offenheit für Videosprechstune, E-Rezept & Co.

Durchbruch da? Bitkom vermeldet enormes Wachstum bei Telemedizin

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Berlin - Wo bleibt er denn nun, der große Durchbruch der Telemedizin? Anfang Mai kam der EPatient Survey noch zu ernüchternden Ergebnissen, IQVIA veröffentlichte zwischenzeitlich Zahlen, die etwas besser, aber immer noch nicht berauschend waren. Am Donnerstag stellte nun der Branchenverband Bitkom die Ergebnisse zweier druckfrischer Studien vor – und die zeigen, dass sich in den zurückliegenden Corona-Wochen anscheinend erstaunlich viel getan hat. Neben einer großen Offenheit für E-Rezept und elektronische Patientenakte ist demnach vor allem die Telemedizin durch die Decke gegangen. „Das sind Steigerungsraten, wie wir sie bei so komplexen Anwendungen, die auch den persönlichen Bereich betreffen, noch nie gemessen haben“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Ziemlich genau zwei Monate ist es her, dass sich das Marktforschungsinstitut EPatient Analytics und die Digital-Health-Unternehmen die Wunden leckten. „Die Ergebnisse sind so vernichtend schlecht, dass wir sie nur positiv sehen können“, sprach Lindera-Chefin Diana Heinrichs frei von der Leber. Und tatsächlich war die Nutzung von Videosprechstunden und Gesundheitsapps weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Zwar hatte sich die Zahl der Telemedizin-Nutzer laut dem EPatient Survey fast verdreifacht, allerdings nur vom winzigen Niveau von 0,7 Prozent auf dann 2 Prozent. So viele Befragte gaben an, schon einmal eine Videosprechstunde genutzt zu haben. Kürzlich von IQVIA veröffentlichte Zahlen zur Telemedizin zeigten im selben Untersuchungszeitraum einen deutlich höheren Schub: Demnach stieg die Nutzung von 2,1 Prozent der Befragten im März auf 3,8 Prozent im April – immerhin fast doppelt so viel, aber trotzdem noch auf sehr niedrigem Niveau.

Ganz anders sieht es nun bei Bitkom aus. Anfang Juli ließ der Digitalverband eine repräsentative Umfrage zur Telemedizin durchführen und in den Führungsetagen von Teleclinic, Kry, Zava & Co. dürfte man die mit Genugtuung lesen: Demnach haben Anfang dieses Monats bereits 13 Prozent der Befragten angegeben, schon einmal eine Videosprechstunde bei einem Arzt oder Therapeuten wahrgenommen zu haben – in blanken Nutzerzahlen sechseinhalbmal so viel wie im EPatien Survey. Frauen zeigen sich dafür offenbar erheblich offener als Männer: 16 Prozent von ihnen haben sich schon einmal über den Laptop oder das Smartphone von ihrem Arzt behandeln lassen, bei den Männern sind es 9 Prozent. Diesen Zahlen zufolge könnte die Telemedizin bald an einer relevanten Schwelle kratzen: Dem 20 Prozent Telemedizin-Anteil, die Ärzte den Regelungen der allermeisten Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) zufolge maximal abrechnen dürfen.

Bei Bitkom sieht man diese Schwelle bereits als das nächste große Hindernis für die Telemedizin. „Wir plädieren dafür, dass diese 20-Prozent-Grenze wegfällt“, sagt Rohleder. Dafür, dass bei einem Fünftel aller Behandlungen noch Luft nach oben wäre, spricht Bitkom zufolge nämlich die Zufriedenheit der Patienten mit telemedizinischen Angeboten.

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