Telemedizin-Anbieter will in Vor-Ort-Apotheken

Go Spring: Potenzmittel online – aber ohne Schmuddelfaktor APOTHEKE ADHOC, 30.06.2020 11:53 Uhr

Berlin - Mit Telemedizin kann man sich vom heimischen Sofa aus ärztlich behandeln lassen. Neben der Entlastung von Wartezimmern wird vor allem die höhere Convenience für den Patienten von den Anbietern als Vorteil angepriesen. Doch es gibt für viele Menschen auch einen anderen wichtigen Grund, nicht persönlich zum Arzt zu wollen: Scham. Dass Unternehmen Direct Health hat daraus ein Geschäftsmodell gemacht und bietet unter der Marke „Go Spring“ ein Telemedizinportal für schambehaftete Krankheiten wie erektile Dysfunktion an. Ein Schmuddelportal will „Go Spring“ aber keineswegs sein, im Gegenteil: Die Arbeit wird an der LMU München wissenschaftlich begleitet und eine aktuelle Studie soll den positiven Beitrag zur Gesundheitsversorgung belegen – und helfen, den Weg in die Vor-Ort-Apotheken zu ebnen.

Der zweite Frühling ist sprichwörtlich und romantisch. Das Wiederaufblühen der Gefühle in der zweiten Lebenshälfte bringt vielen Männern jedoch auch Kopfzerbrechen, schließlich funktioniert oft nicht mehr alles so wie früher. Doch der Weg zum Arzt fällt vielen enorm schwer, das Thema erektile Dysfunktion ist so schambehaftet wie kaum eine andere medizinische Indikation. Der Gedanke ist also naheliegend: Wo, wenn nicht hier, wären Patienten bereit, für die Behandlung etwas draufzulegen, wenn sie dabei in der gefühlten Anonymität der eigenen vier Wände bleiben können?

„Den Anstoß für Go Spring hat ein befreundeter Apotheker gegeben“, sagt Geschäftsführer Nico Hribernik. „Ich habe ihn gefragt, was die Themen in seiner Apotheke sind, bei denen die Kunden leiser sprechen. Er sagte, es handele sich immer um Männer mit Problemen wie Erektionsstörungen, Hämorrhoiden, Fußpilz oder Herpes.“ Damit war Hriberniks Geschäftsidee geboren: eine „Männermarke für schambehaftete Indikationen des Alltags“, wie er es nennt. Seit Mai 2019 ist das Angebot am Netz und hat nach eigenen Angaben bereits über 40.000 telemedizinische Behandlungen vermittelt.

Bei Go Spring können Patienten für spezifische Indikationen wie erektile Dysfunktion, frühzeitigen Samenerguss, Testosteronmangel, aber auch Haarausfall und schwere Akne telemedizinische Behandlungen buchen, bei denen digitale Privatrezepte ausgestellt werden. 19 Euro kostet die Ausstellung einer solchen Verordnung. „Die werden mit einer qualifizierten digitalen Signatur versehen und dem Patienten geschickt. Es sind also digitale Rezepte, aber keine eRezepte“, erklärt Hribernik. Die 19 Euro seien dabei keine Rezept-, sondern eine Vermittlungsgebühr, von der wiederum eine Provision an Go Spring zurückgeht. „Der Kunde kauft im Endeffekt einen Behandlungsvoucher und wir verdienen an der Provision.“ Bisher greift Go Spring dabei vor allem auf Kooperationsärzte anderer Telemedizinanbieter zurück, will sich aber künftig noch stärker bei den niedergelassenen Ärzten aufstellen. Dort ist der Widerstand weitaus geringer, als man das auf den ersten Blick vermuten könnte.

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