Telemediziner: E-Rezept lieber später als unausgereift

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Berlin - Die Forderungen werden immer lauter, die verpflichtende Einführung des E-Rezepts zu verschieben. Die Ärzteschaft hat sowieso ihre Zweifel, dass bis zum 1. Januar alles rund läuft, und auch aus den Standesvertretungen der Apothekerschaft werden immer mehr kritische Stimmen laut. Die Anbieter von Telemedizin und anderen digitalen Gesundheitsanwendungen gehören eigentlich zu den größten E-Rezept-Fans, schließlich erwarten sie, dass es ihnen den nächsten Boom beschert. Doch auch hier wachsen die Zweifel.

Es läuft nicht rund bei den Vorbereitungen auf das E-Rezept. Aus der Modellregion Berlin/Brandenburg sind bisher keine Erfolgsmeldungen zu hören und vor allem die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mahnt seit Monaten, dass viele Softwarehäuser auch aufgrund der Zusatzaufgaben durch die Coronapandemie Schwierigkeiten haben, die notwendigen Anwendungen zu implementieren und zu integrieren. Der Ärzteschaft wird dabei attestiert, dass sie ohnehin keinen genuinen Nutzen – und entsprechend wenig Interesse – am E-Rezept habe. Anders sieht das bei Digital-Unternehmen wie Wellster aus, die unter anderem die Telemedizin-Anbieter Go Spring, My Spring und Hello Easy betreiben.

Die Teledmezin erhofft sich vom E-Rezept den nächsten großen Boom nach der Corona-Pandemie, wie erst kürzlich wieder eine Umfrage belegte. „Wir bieten derzeit alles auf Selbstzahlerbasis und heute schon gewinnen wir einen Großteil unserer Patienten aus dem Segment, die ohne Digitalangebot nie wegen ihres Problems zum Arzt oder Apotheker gegangen sind. Wenn uns das E-Rezept den Zugang zur Erstattungsfähigkeit erleichtert, könnten wir unser Angebot weiter ausbauen und künftig auch noch mehr Indikationen mit vergleichbarer Unterversorgung abdecken“, sagt Wellster-Geschäftsführer Nico Hribernik. Aber auch bei ihm wachsen mittlerweile die Sorgen, dass das E-Rezept bei seiner Einführung sich aufgrund von Kinderkrankheiten zum Fehlstart entwickeln könnte.

„Generell wäre es natürlich wünschenswert, wenn alles schon ready wäre“, so Hribernik. „Die E-Rezept-Einführung sollte aber aus unserer Sicht nicht im Chaos versinken. Wir haben zu oft gesehen, dass Digitalprojekten ein Stempel aufgedrückt wird, wenn am Anfang etwas schiefgeht.“

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