Seyfarth: E-Rezept muss später kommen

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Berlin - Wenig Zeit bleibt bis zur geplanten bundesweiten Einführung des E-Rezepts. In weniger als fünf Monaten soll die digitale Verordnung verpflichtend sein. Doch der Widerstand gegen diesen Zeitplan wird immer breiter: Die Ärzteschaft protestiert, IT-Experten sprechen von einem Himmelfahrtskommando. Jetzt werden auch im Deutschen Apothekerverband (DAV) Stimmen laut, die eine Verschiebung fordern.

„Ich sehe nicht, dass das E-Rezept am 1. Januar flächendeckend zum Roll-out kommt“, sagt Holger Seyfarth, Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbands (HAV). Es seien noch so viele Fragen zu klären, die Zeit bis zum Jahreswechsel sei einfach zu knapp. „Bei so einem wichtigen Thema sollte man lieber drei Probeläufe mehr machen, mit regionalen Tests absichern, und zwar mit viel größeren Fallzahlen“, so das DAV-Vorstandsmitglied. Immerhin gehe es um die Arzneimittelversorgung.

Für Seyfarth ist nur eine Sache entscheidend: „Es muss sicher sein – so sicher es eben geht“, sagt der HAV-Vorsitzende. Er fordert, dass es zunächst einen Parallelbetrieb gibt und eine Übergangsfrist von einem Jahr. Es müsse eine Fallback-Lösung geben mit dem Papierrezept, falls es mit der digitalen Verordnung nicht klappt.

Der HAV-Vorsitzende erwartet, dass sich die Debatte um die Einführung des E-Rezepts nach der Bundestagswahl in diese Richtung drehen wird. Vor dem 26. September wird Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) das Thema aber nach seiner Einschätzung nicht mehr anfassen, immerhin zählte die Digitalisierung des Gesundheitswesens vor Corona zu seinen wichtigsten Vorhaben. „Minister Spahn lässt es bis zur Wahl laufen – egal was bei dem Modellprojekt herauskommt.“ Und das Projekt in Berlin köchelt nach wie vor auf sehr kleiner Flamme, wie die Beteiligten selbst äußern.

Seyfarth und andere Kollegen aus den Landesorganisationen würden sich bei dem Thema insgesamt mehr Transparenz und eine bessere Kommunikation ihrer Berliner Standesvertretung wünschen. Der DAV hat sich auf Nachfrage noch nicht zu der Forderung nach einer Verschiebung des Stichtags geäußert. Bislang hieß es stets nur, die Apotheken seien „E-Rezept-ready“.

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