Globuli nur noch für Geimpfte

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Berlin -

Im Büro des Ministers brennt noch Licht. Drinnen zerbricht sich Jens Spahn den Kopf, wie er wieder Schwung in die Impfkampagne bekommt. Denn zuletzt wird der einst so begehrte Impfstoff nur noch in homöopathischen Dosen unters Volk gebracht. Und plötzlich macht es Klick.

Jens Spahn hat seine Schreibtischlampe eingeschaltet. Aber er hat auch eine Idee. Und diesmal muss es funktionieren. Denn dass sein Geschwurbel vom Impfen als „patriotischer Akt“ nicht verfangen wurde, war ihm von vornherein klar. Ehrlicherweise ging es ihm dabei gar nicht im die Impfquote, sondern um eine kleine Bewerbung, sollte nach der Wahl doch noch ein Verteidigungsminister gesucht werden.

Nein, die Impfkampagne wird er nach dem Spahn’schen Muster angehen: 1. Staatstragend auftreten und ein komplexes Thema stark vereinfachen. 2. Mit gemäßigtem Populismus für die nötige Aufmerksamkeit sorgen. 3. Die Apotheken für die Umsetzung einspannen.

Spahn macht lange genug Gesundheitspolitik, um genau zu wissen, worüber sich die Leute am meisten echauffieren: Impfung und Homöopathie. Das ist die ultimative Idee für den Impfanreiz: Globuli erhält künftig nur noch, wer gegen Covid-19 geimpft ist. Spahn schreibt es auf und kichert boshaft. Er muss nur das Pulverfass in den Porzellanladen rollen und warten was passiert. Noch am Abend gibt er eine Studie in Auftrag, wie viele Nichtgeimpfte eigentlich Homöopathie-Anhänger:innen sind.

Aber eine Stunde später dauert ihm das doch zu lange und er diktiert die Verordnung einfach runter. Den Apotheken wird aufgetragen, bei den Kund:innen den Impfstatus zu erfragen, bevor sie Homöopathie abgeben, der sogenannte „Spahnemann-Test“. Und sie sollen potenzierte Impfzertifikate ausstellen. Bei vollem Impfstatus übernehmen die Kassen per Dekret einen Monat die Kügelchenkosten. Die Apotheken halten das nach. Vergütung: Wird später geklärt…

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