Apotheker verzockt seine Altersvorsorge – und will sie zurück

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Berlin -

Ein bayerischer Apotheker kämpft derzeit gerichtlich um seine Altersvorsorge: Er hatte sich von einem Vermögensberater, den er im Urlaub kennengelernt hatte, Aktiengeschäfte andrehen lassen, die weitaus riskanter waren, als ihm bewusst war. Innerhalb weniger Wochen verlor er hunderttausende Euro. Seine Schadenersatzklage gegen die Bank war erfolgreich – allerdings ging die Bank pleite, bevor er sein Geld zurückerhalten hatte. Also versucht er nun, sich das Geld vom Vermögensberater zu holen. Nun geht es vor Gericht um die Frage, ob er es besser hätte wissen müssen.

Ein Apotheker im Ruhestand wird bald erneut vor dem Oberlandesgericht München um einen erheblichen Teil seiner wirtschaftlichen Existenz kämpfen müssen. Denn den hat er aufgrund eines riskanten Spekulationsgeschäfts verloren – nach eigener Sicht unverschuldet. Anscheinend hätte er sich aber bei seiner Altersvorsorge nicht auf eine Urlaubsbekanntschaft verlassen dürfen: In den Ferien mit seiner Frau lernte der Pharmazeut im Juli 2012 einen Vermögensberater kennen und blieb mit ihm auch darüber hinaus in Kontakt. Ziemlich genau zwei Jahre später saß er in dessen Büro und ließ sich über Aktiengeschäfte beraten – nach eigener Aussage zur Mehrung seiner Altersvorsorge.

Einen Monat später schlossen die beiden einen Vermögensverwaltungsvertrag mit einer Bank. Wie der beigefügte Datenanalysebogen verrät, hatte der Apotheker keine Erfahrungen mit kreditfinanzierten Anlagegeschäften und mit Anlagen der Risikoklassen 5 und 6 wie Futures und Optionen. In den Anlagerichtlinien kreuzte der er als Anlageziele auf Anraten des Beraters „Vermögensaufbau“, „Alters-/Familienvorsorge“, „kurzfristige Gewinnerzielung/Spekulation“ und „Ausnutzung langfristiger Marktbewegungen“ an. Wie ihm der Berater riet, wählte er außerdem die höchste Risikoklasse 6 und fügte handschriftlich hinzu: „Spekulativer Kauf von Optionen und Optionsscheinen sind ausgeschlossen“.

Daraufhin eröffnete er ein Wertpapierdepot und ein Abwicklungskonto bei einer zweiten Bank. Der Bank, für die der Vermögensberater arbeitete, erteilte er eine Vollmacht zur Verfügung über Konto und Depot. Er überwies Wertpapiere im Wert von 40.000 Euro und ein Bankguthaben von 200.000 Euro. Dann kam der große Knall – und erneut war es ein Urlaub, der ihm zum Verhängnis wurde.

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