Versorgungswerke

Ran an die Rente!

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Berlin -

„Die Rente ist sicher“, posaunte einst CDU-Rentenminister Norbert Blüm im Wahlkampf von vielen Plakatwänden. Dieser Spruch ist längst als sozialpolitische Falschaussage ersten Ranges in die Annalen eingegangen. Zuerst steuerte die gesetzliche Rente in die Krise. Jetzt trifft das gleiche Schicksal mit voller Wucht alle kapitalgedeckten Altersvorsorgesysteme und damit auch die Versorgungswerke der Apotheker. Dem Berufsstand droht ein Generationenkonflikt – der Nachwuchs sollte sich endlich im ureigenen Interesse berufspolitisch engagieren.

Weil die Europäische Zentralbank (EZB) Schritt für Schritt die Zinsen auf Null gesenkt hat, zahlen Sparer aller Klassen jetzt die Zeche. Die Zeche für die seit Bestehen des Euro aus dem Ruder gelaufene Haushaltspolitik vieler Euro-Staaten. Weil Länder wie Griechenland, Spanien, Italien und Frankreich immer höhere Staatsschulden aufgetürmt haben, muss die Europäische Notenbank die Zinsen niedrig halten. Jeder Prozentpunkt Zinserhöhung würde diese Euro-Staaten und den Euro selbst ein gutes Stück weiter in den Ruin treiben. Die Konsequenzen wären unabsehbar.

Nach Lage der Dinge ist daher ein Ende der Niedrigzinspolitik der EZB nicht zu erwarten. Lebensversicherungen wie Versorgungswerke müssen die Suppe auslöffeln, die ihnen die Regierungen eingebrockt haben. Längst sind daher die Anlage-Gurus verstummt, die die Kapitaldeckung als einzig zukunftsträchtige Alterssicherung angepriesen haben. Zinsen fallen nicht vom Himmel. Sie müssen erarbeitet, erwirtschaftet und mit Blick auf die Staatshaushalte erspart werden. Sonst platzt auch diese die Zukunftsrechnung.

Die Versorgungswerke haben als Reaktion die Wahl zwischen Pest und Cholera: Sie müssen ihre Zusagen stutzen – entweder für alle Versicherten oder nur für die Neulinge oder sie müssen die Abschläge nach Altersgruppen differenzieren. Für letzteren Weg hat sich jetzt auch das Versorgungswerk Schleswig-Holstein entschieden.

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