ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick

Die perfekte Nachfolgersuche

, Uhr
Berlin -

Leon P. hat viel zu tun: Am kommenden Montag eröffnet er seine Löwen-Apotheke. Nach drei Jahren als angestellter Apotheker und Filialleiter fühlt sich der junge Pharmazeut bereit für die Selbstständigkeit: „Eine eigene Apotheke war schon immer mein Traum!“ Doch eine große Sorge treibt ihn um. Es geht um seinen Nachfolger.

Leon P. hat die Checkliste gewissenhaft abgearbeitet. Die Einrichtung steht, der Kommissionierautomat ist gut gefüllt und das QM-Handbuch pikobello. Sein Team steht bereit, zunächst fängt er mit einer approbierten Kollegin, zwei PTA und einer PKA an. Den Botendienst will er in den ersten Monaten abends selbst übernehmen, um die Kunden so richtig gut kennenzulernen. Kurzum: Es ist alles bereit und bei der Abnahme hat der Amtsapotheker anerkennend durch die Zähne gepfiffen.

Trotzdem schläft Leon P. so schlecht wie zuletzt in den Nächten vorm Staatsexamen. Zukunftssorgen halten ihn abends stundenlang wach. Er hat keine Angst, dass die Apotheke wirtschaftlich nicht erfolgreich sein wird, denn Standort und die entscheidenden Parameter hat er gewissenhaft geprüft. Auch in die Rolle als Chef wird er sich schon reinfinden, ist der frisch gebackene Inhaber überzeugt. Aber was ist, fragt er sich jeden Abend sorgenvoll, wenn er die Apotheke eines Tages abgeben möchte? So oft er von Kollegen gehört oder gelesen, die keinen Nachfolger für ihren Betrieb finden.

Da hilft nur eins: Frühzeitig gegensteuern und Vorsorge treffen: Gleich am nächsten Morgen schaltet Leon eine Anzeige: „Gut geführte Apotheke abzugeben! Umsatz vermutlich 2,5 Millionen Euro. Geplante Übergabe 2058.“ Und etwas kleiner darunter in einem schüchternen Futur II: „Um Nachfolger in den umliegenden Arztpraxen wird der aktuelle Inhaber sich ebenfalls bemüht haben.“ Nur die Idee mit dem Einleger in Umschau und My Life verwirft er schnell wieder – die Verunsicherung auf Kundenseite könnte doch zu groß sein.

Seine Freunde am Apothekerstammtisch amüsieren sich köstlich über die Annonce. Aber Leon P. lässt sich nicht beirren und bei sich: Antizyklisch denken heißt das Zauberwort. Er spricht sogar die jungen Eltern in seiner Offizin an, ob ihr Kind oder ein Spielkamerad aus der Krabbelgruppe vielleicht schon pharmazeutische Neigungen zeige. Und vom befreundeten Chemielehrer am benachbarten Gymnasium lässt er sich die Klausurnoten durchgeben – Fachkräftemangel ist ja absehbar auch für ihn ein Thema.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Ärzte drohen mit Ausstieg aus Gematik
E-Rezept: KBV rechnet mit Spahn ab»
Versandverbot für Notfallkontrazeptiva
Switch-Vorbild „Pille danach“?»
Dosierung, bedenkliche Stoffe, Preis
Retaxgefahr Rezeptur»
Rechtliche und pharmazeutische Aspekte
Grauzone: Abgabe von mehreren OTC-Packungen»