Apothekenfranchise

Easy ohne Just

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Berlin -

Bei easyApotheke gibt es personelle Veränderungen: Stephan Just scheidet als Vorstand aus. Aufsichtsratschef Hartmut Fromm bestätigte auf Nachfrage, dass das Management neu strukturiert werde: Die Expansionsabteilung soll gestärkt und vom Bereich Finanzen getrennt werden. „Da müssen wir anders denken.“ Die Entscheidung im Aufsichtsrat ist dem Vernehmen nach einstimmig gefallen. Damit ist Lars Horstmann vorerst einziger Vorstand.

Aufgrund „unterschiedlicher Auffassungen über die weitere Strategie des Unternehmens“ habe man sich einvernehmlich darauf verständigt, dass Just sein Amt vorzeitig niederlegt und zum Jahresende als Vorstand ausscheidet. Er bleibt noch ein Jahr lang als Berater an Bord.

Horstmann und Just hatten Anfang 2012 das Ruder bei Easy übernommen. Just war für Finanzen und Verwaltung sowie für die Expansion zuständig, er hatte einen Vertrag bis Ende 2022. Horstmann bleibt an Bord, er ist für die Kooperation, also die Betreuung der Mitglieder, zuständig.

Bei der Expopharm war Just nicht dabei – und seitdem angeblich auch nicht im Büro. Eine mögliche Erklärung wäre das Expansionstempo, das nach anfänglichem Schwung zuletzt hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Die Anzahl von heute 125 Apotheken ist in den vergangenen Monaten nicht dramatisch gewachsen, auch weil immer mal wieder Schließungen dazwischen kamen. 25 neue Standorte sollten im laufenden Jahr dazukommen, also ziemlich genau zwei pro Monat. Gemessen an einer Vorlaufzeit zwischen Vertragsschluss und Eröffnung von etwa einem halben Jahr ist das Vertriebsteam weit hinter den Zielen.

Just verwies noch im Frühjahr in einem Interview mit dem „Wirtschaftsforum“ auf die aus seiner Sicht positive Entwicklung: Der Umsatz auf bestehender Fläche sei in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt um mehr als 14 Prozent pro Jahr gestiegen. Nach eigenen Angaben hat die Gruppe ihren Außenumsatz seit 2013 auf zuletzt 300 Millionen Euro verdreifacht.

Als er gemeinsam mit Horstmann 2012 zu Easy gekommen sei, sei die Firma „in einer Schieflage“ gewesen. Gerade einmal rund 50 Standorte habe es damals gegeben. Die neuen Vorstände richteten die Strategie neu aus; das Discountimage wurde aufgegeben, der neue Claim lautet seitdem: „Einfach viel drin“.

Dogmen wurden aufgegeben, so wurde mit „Compact“ eine Variante für kleinere Flächen aufgesetzt. Parallel wurde mit „Modul“ ein Container entwickelt, der auf Parkplätzen von Einkaufszentren zum Einsatz kommen sollte – was allerdings oft an praktischen Problemen scheiterte. Bislang gibt es nur ein realisiertes Projekt in Moers.

Easy mietete wieder Standorte an und kümmerte sich um Fortbildung und um Personal für die Mitglieder. Mit einem „Existenzgründerprogramm“ sollen außerdem junge Pharmazeuten in die Kooperation geholt werden. Für eine monatliche Rate finanziert man in Düsseldorf sogar die komplette Apothekeneinrichtung inklusive Warenlager. Sogar in Österreich gibt es mittlerweile eine Easy-Apotheke.

Doch all das kostet freilich Geld. Rund 70 Mitarbeiter arbeiten mittlerweile für Easy-Apotheke; legt man das um auf die Mitglieder, ist das ein ziemlich hoher Schnitt. Dass jemals Geld verdient wurde, darf bezweifelt werden. Jüngst haben die Eigentümer noch einmal Kapital zugeschossen: Knapp 2,5 Millionen Euro wurden bei den Gesellschaftern über Wandelanleihen eingeworben. Und das war erst ein Drittel des bei einer außerordentlichen Hauptversammlung im Dezember genehmigten Betrags.

In diesem Zuge wurde auch die „Wachstumsstrategie 300“ beschlossen. Gegenüber dem „Wirtschaftsforum“ hatte Just die Ziele so formuliert: „Meine persönliche Vision ist, dass bei jedem, der in Deutschland an eine Apotheke denkt, die easyApotheke die erste Wahl ist. Zu uns zu kommen, soll eine fröhliche, keine traurige Geschichte sein. Mein Wunsch ist, dass alle Easy-Apotheker wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmer sind und wir glückliche, zufriedene Mitarbeiter haben.“

Gemeinsam mit Horstmann war Just von Noweda zu Easy gewechselt. Er hatte an der Wirtschaftsakademie Hamburg studiert und dann in führenden Positionen für den Logistikhersteller Jungheinrich gearbeitet, bevor er 2007 zur Apothekergenossenschaft kam. Horstmann galt in Essen sogar als Kronprinz von Vorstandschef Wilfried Hollmann. Als Ressortleiter Vertrieb und Marketing war er Mitglied der Geschäftsleitung. Als sich jedoch abzeichnete, dass der Weg versperrt war, entschied sich der ehemalige Bacardi-Manager zum Wechsel. Just nahm er mit.

Gegründet wurde Easy in Hildesheim von Oliver Blume. Zunächst als Versandapotheke gestartet, eröffnete 2006 trotz des Widerstands anderer Apotheker im Ort in einer ehemaligen Tankstelle der erste Discountmarkt für Arzneimittel. Apotheker Harald Steinert führt den Standort seit 2007.

2010 hatte Blume wegen Liquiditätsengpässen neue Finanzpartner an Bord geholt: Neben dem Bielefelder Textilgroßhandel Katag stiegen die Stuttgarter Industriellenfamilie Magirus sowie als Kreditgeber die NBank und die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft des Landes Niedersachsen ein.

Ein halbes Jahr später musste Blume sein Büro in der Hildesheimer Zentrale räumen. Zuvor war Jörg Paulmann, Spross einer niedersächsischen Unternehmerfamilie (Paulmann Licht) und seit den Anfangstagen Blumes Kompagnon bei easy, überraschend als Finanzvorstand zurückgetreten. Angeblich hatte es Unstimmigkeiten bei der Buchführung gegeben. Ende 2012 kam es zum Machtwechsel. Blume stieg ganz aus.

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