Großhändler übernimmt 50 Prozent der Aktien

Phoenix steigt bei Linda ein

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Berlin -

Phoenix kauft sich bei der Apothekenkooperation Linda ein. Der Mannheimer Großhändler übernimmt die Hälfte der Anteile. Damit solle die langjährige strategische Zusammenarbeit intensiviert werden, heißt es. Der Marketing Verein Deutscher Apotheker (MVDA), der hinter der Dachmarke steht, kann mit dem neuen Miteigentümer auf starke Unterstützung hoffen.

Seit Gründung des MVDA war Phoenix fester Partner der Kooperation, alleiniger Eigentümer der 2004 gegründeten Dachmarke war aber stets der MVDA. Entsprechend kontrovers wurde laut Vorstand Volker Karg in den vergangenen Wochen über den Einstieg des Großhändlers diskutiert – die Unabhängigkeit war und ist vielen Mitgliedern wichtig. Am Ende entschied sich die Delegiertenversammlung des MVDA am gestrigen Montag in Köln einstimmig für die 50-prozentige Beteiligung. Bislang hielt der MVDA alle Aktien mit Stimmrecht, Mitglieder konnten sich in Form von stimmrechtslosen Vorzugsaktien beteiligen.

2019 stand die Partnerschaft vor dem Aus. Später raufte man sich zusammen – und rückte so nahe zusammen wie noch nie: Beim Delegiertenkongress in Salzburg wurde 2022 die gemeinsame Nutzung der Dachmarke Linda beschlossen. Fortan konnten Kunden des Großhändlers Linda-Partner werden, ohne dass sie selbst Mitglied der Kooperation sind. Rund 3600 Apotheken hatte Phoenix unter dem Dach des eigenen Kooperationsprogramms „Deine Apotheke“ versammelt, diese wechselten in der Folge zur weitaus bekannteren Marke „Linda“.

Dass Phoenix sich bei so viel Engagement auf Dauer nicht mit der Rolle des Partners zufrieden geben würde, lag auf der Hand. Das Versprechen des Großhändlers lautet daher laut Karg auch, sich maximal für die Kooperation zu engagieren. Am Ende waren die Argumente wohl überzeugend: Gerade in einer Zeit, in der die Politik die Apotheken im Stich lasse und neue Anbieter wie dm in den Markt drängten, gehe es darum, gemeinsam etwas für die Vor-Ort-Apotheke zu tun.

Formal kauft Phoenix dem MVDA die Anteile ab, über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Kommen neue Projekte zustande, müssen beide Partner sich mit Kapital einbringen.

Leistungsfähigkeit sichern

„Mit der Beteiligung von Phoenix heben wir unsere erfolgreiche Zusammenarbeit auf eine neue Ebene“, sagt MVDA-Präsidentin Gabriela Hame-Fischer. Die Marke solle künftig sichtbarer und erlebbarer werden. Ziel sei es, Apotheken dabei zu unterstützen, ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit auch in anspruchsvollen Zeiten zu sichern und weiter auszubauen.

Die beabsichtigte Beteiligung sei Ausdruck und konsequente Fortführung einer seit 2002 gewachsenen strategischen Partnerschaft. „Linda ist eine Marke von Apothekern für Apotheker – und genau darin liegt ihre Stärke“, erklärt Marcus Freitag, Vorsitzender der Phoenix-Geschäftsführung. „Mit unserem Engagement investieren wir bewusst in Sichtbarkeit, Kundenbindung und wirtschaftliche Stabilität der Vor-Ort-Apotheken. Das ist ein klares Bekenntnis zur flächendeckenden Arzneimittelversorgung in Deutschland.“ Mit der beabsichtigten Beteiligung unterstreiche man zugleich die Position als integrierter Gesundheitsdienstleister.

Reichweite für Linda-Apotheken

Die Reichweite und Schlagkraft lasse sich nur durch die Bündelung von Kompetenzen und Ressourcen eines starken Partners realisieren, sagte Dirk Vongehr, Vorsitzender des Linda-Aufsichtsrats. „Der Leitsatz von MVDA und Linda bleibt das zentrale Qualitäts- und Identitätsversprechen der Marke. Er steht weiterhin für eine hohe professionelle und persönliche Identifikation der Apothekerinnen und Apotheker mit Linda.“

Auch bei Linda waren die Folgen der wirtschaftlichen Unsicherheit im Apothekenmarkt zuletzt spürbar. Während es noch zu Beginn des Geschäftsjahres 2023/2024 einen stetigen Zuwachs an Mitgliedern gegeben hatte, was vor allem den gemeinsamen Informationsveranstaltungen mit Phoenix geschuldet gewesen war, zeichnete sich ab Februar 2024 nach dem Skonto-Urteil Rückgänge bei den Neuanmeldungen ab. Dennoch zeigte sich Linda mit rund 4800 Apotheken – darunter 550 Premiumapotheken – als starke Gemeinschaft.

Auch auf wirtschaftlicher Seite stand Linda zuletzt unter Druck; zweimal in Folge schloss die Kooperation mit einem Fehlbetrag ab. Doch nach dem Minus von 900.000 Euro beziehungsweise 100.000 Euro gab es 2023/24 wieder einen Überschuss von 300.000 Euro – zufriedenstellend, so Vongehr nach der Hauptversammlung im vergangenen Jahr. Zusätzlich konnte das Eigenkapital von 8,2 auf 8,4 Millionen Euro erhöht werden, womit die AG finanziell gut ausgestattet sei. Auch im vergangenen Geschäftsjahr habe man positiv abgeschlossen, die Ergebnisse werden zur Stunde präsentiert.

Wegen des anhaltenden Rückgangs bei den Mitgliedern waren die Erträge kontinuierlich gesunken, von knapp 19 Millionen Euro vor zehn Jahren auf zuletzt weniger als 11 Millionen Euro. Gebühren werden nur noch von Premiumapotheken erhoben; Phoenix zahlt für die Erbringung von Marketingleistungen. Im Rahmen von Sparmaßnahmen hatte Linda dann auch Personal abgebaut, insbesondere im Bereich der Kundenberatung.

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