BVDVA-Kongress

„pDL müssen online zum Standard werden“

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Berlin -

Alle Apotheken müssen alles können: Für Dr. Christian Wegner ein Denkfehler. Spezialversorgung sei nicht in allen Apotheken möglich, so der Inhaber von Medipolis. Zudem sei entscheidend, dass versorgt werde – und nicht, wo das Produkt herkomme. Wenn hochspezialisierte Leistungen die Patientinnen und Patienten erreichen sollten, müssten die Möglichkeiten auch für den Onlinehandel geöffnet werden. Dazu gehörten auch die pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL).

„Wir haben einen Denkfehler beim Begriff der wohnortnahen Versorgung. Es wird der Abstand zwischen Produkt und Versorgung gesehen“, so Wegner auf dem Kongress des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken (BVDVA). „Entscheidend ist für die Versorgung nicht, wo das Produkt herkommt.“ Ein Patient mit einer Schmerzpumpe könne über einer Apotheke wohnen. Wenn er in der Nacht ein Problem habe, helfe die geschlossene Apotheke nicht.

Nicht alle sind gleich

Der zweite Denkfehler ist für Wegner der Ansatz, dass alle Apotheken alles anbieten müssen. „Davon müssen wir uns verabschieden. Alle Apotheken müssen nicht alles können.“

„Es ist nicht jede Apotheke gleich – bei den Ärzt:inen haben wir es akzeptiert, dass es Fachärzt:innen gibt“, stimmte Dirk Düvel von Besamex zu. Bei den Apotheken werde gesagt, dass alle 16.600 gleich seien. Doch das seien sie nicht – Stichwort Spezialversorgung. Dafür benötige es eine spezielle Ausstattung, entsprechendes Personal und finanzielle Mittel unter anderem für Abschreibungen. Zudem brauche es ein größeres Einzugsgebiet, insbesondere je seltener die Erkrankung ist. „Wir kämpfen dafür, Versand nicht zu stigmatisieren. Wir versorgen Menschen, und der Versand ist ein Mittel der Lieferung und Versorgung.“

„,One fits all‘, funktioniert nicht“, stimmte auch Dr. Silvia Bellmann von der AOK Bayern zu. Ist Arzneimittelversorgung nur in der Apotheke möglich? Aus Sicht von Bellmann nicht.

Wie viele Apotheken es brauche, könne sie nicht beziffern. „Ein gewisses Schrumpfen war mit Sicherheit zu verschmerzen.“ Was eine „gesunde Zahl“ sei, könne sie nicht sagen. Es sollte in Alternativen gedacht werden und nicht daran, Strukturen künstlich zu schaffen. Auch Automaten mit pharmazeutischem Zugang seien in unterversorgten Gebieten eine Alternative zur stationären Apotheke. „Der Automat soll die Apotheke nicht ablösen“, so Bellmann. pDL könnten auch von Krankenhausapotheken erbracht werden, gleiches gelte für Versandapotheken.

„Wenn wir wollen, dass hochspezialisierte Leistungen die Patient:innen erreichen, müssen wir die Möglichkeiten auch online öffnen“, so Wegner. Dass nur so wenige pDL für Organtransplantierte abgerechnet wurden, sei ein Witz. „Ich habe die Befürchtung, dass der Patient in die Apotheken gelotst wird und dass es dann nicht funktioniert.“

„Infusionslösungen sind personalisierte Medizin und Versorgung“, so Wegner. „Das ist ein Bereich, der weiterhin ausfinanziert werden muss.“ Doch es gebe mehr Druck auf Substanzen und es folge eine Marktverschiebung. „Da muss man aufpassen, dass die Schraube nicht zu weit gedreht wird und trotzdem wirtschaftlich versorgt wird.“

Top 3-Spezialkategorien

Für Wegner am wichtigsten sind die pDL für Patient:innen unter Zytostikatherapie, Organtransplantierte und auch die assistierte Telemedizin. Schwere Fälle könnten beispielsweise nicht in die Apotheke kommen, um pDL in Anspruch nehmen zu können.

„Wir sind Exoten und werden von den Kolleg:innen als Verhandlungsmasse gesehen“, so Düvel mit Blick auf die Verhandlungslösung.

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