Mit dem Roll-out der elektronischen Patientenakte (ePA) wurde im vergangenen Jahr das technische Fundament für die weitere Digitalisierung im Gesundheitswesen geschaffen, so Nilüfer Caliskan-Keserci von IBM beim Kongress des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken (BVDVA). Doch am Ziel ist man noch lange nicht: „Die Zukunft liegt im Dialog, nicht im Archivieren.“
Die ePA ist der zentrale Service mit 73 Millionen angelegten Akten – 5 Prozent der Versicherten haben der ePA widersprochen. Seit dem Roll-out wurden 56 Millionen Dokumente hochgeladen und 447 Millionen Mal die elektronische Medikationsliste (eML) abgerufen. Das sind mehr als 25 Millionen Abrufe pro Woche.
Klingt viel, doch der Wert zeigt, dass bei der Hälfte der 600 Millionen E-Rezepte pro Jahr – entsprechend 50 Millionen pro Monat – kein Interaktionscheck stattfindet, gab Manuel Blechschmidt von Service Health zu bedenken. „Online-Apotheken machen den Check immer.“ Zugriff auf die ePA haben die Versender aktuell jedoch nicht.
„Das E-Rezept ist ein Erfolgsmodell“, so Caliskan-Keserci. Warum? Nicht weil die Technik so toll sei, sondern weil es eine niedrigschwellige Nutzung gebe – minimale Komplexität und direkter Nutzen. Patient:innen können in der Apotheke direkt auf die eML angesprochen werden.
Aber nur 5 Prozent der Versicherten nutzen die ePA aktiv. Daher die Frage: „Wie schaffen wir es, dass mehr Menschen die ePA nutzen?“ Caliskan-Keserci lieferte die Antwort: Es müssten digitale Gesundheitskompetenz aufgebaut, Vertrauen geschaffen und Orientierung gegeben sowie Sicherheit gewährleistet werden.
Ein großer Vorteil sei die Verknüpfung von E-Rezept und ePA, doch dann gehe es nicht weiter. Das System müsse künftig potenzielle Wechselwirkungen erkennen und der Patient Rückfragen stellen können. Und er sollte zusätzliche Services beispielsweise zu Nachbestellungen erhalten.
Versandapotheken seien mit ihren Nutzergruppen schon sehr weit, so Caliskan-Keserci. Denn Online-Shopper beschäftigten sich bereits mit dem Gesundheits-Self-Service. „Die nächste Stufe ist es, in die Gesundheitsbegleitung zu gehen.“ Services sollten beispielsweise um digitale Beratung erweitert werden.
„Wir müssen den Zugang radikal vereinfachen. Digitalisierung darf keine zusätzliche Hürde sein.“ Zudem müssten der Mehrwert sichtbar und der Nutzen klar sein. Der dritte Schlüssel sei Interaktion statt Datenspeicherung. „Die Zukunft liegt im Dialog, nicht im Archivieren.“ Die technische Infrastruktur sei vorhanden, jetzt müsse daraus Versorgung gemacht werden.
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