Die Apothekenkooperation Linda schlüpft endgültig unter das Dach von Phoenix. Als neuer Miteigentümer sichert sich der Großhändler den direkten Zugang zu knapp 5000 Apotheken – und zu einer der bekanntesten Dachmarken der Branche in Deutschland. In der angespannten Situation der Apotheken wird der Marktführer aus Mannheim zum sicheren Hafen, die Unabhängigkeit steht hinten an. Ein Kommentar von Carolin Ciulli.
Die Situation der Apotheken ist angespannt, das spüren auch die Kooperationen. Wie gut ist es, finanziellen Rückenwind zu haben. Den holt sich jetzt auch der Marketing Verein Deutscher Apotheker (MVDA), der hinter der Dachmarke Linda steht. Die Hälfte der Anteile wird vom neuen Miteigentümer gehalten – ein Ziel: starke Unterstützung.
Dass Lieferanten Kooperationen betreiben, ist nicht ungewöhnlich. Man muss dem Konzern weder gleich Kettenambitionen vorwerfen noch Altruismus unterstellen. Wer als Großhändler die Apotheke vor Ort unterstützt, der stärkt auch sein eigenes Geschäft. Phoenix ist in Europa führend im Bereich Pharmahandel, hat sogar den Mitbewerber Celesio überlebt und übernommen. Zur Präsenz in 29 Ländern gehören auch 3200 eigene Apotheken. Ein attraktiver Partner also in diesen schwierigen Zeiten?
Der Einstieg bei Linda kommt nicht von ungefähr. Schon seit der Gründung des MVDA gibt es eine enge Partnerschaft; man könnte sogar sagen, ohne Phoenix gäbe es den MVDA gar nicht. Mit dem früheren Phoenix-CEO sitzt sogar einer der Gründungsväter im Linda-Aufsichtsrat.
So gesehen kommt der Einstieg nicht gänzlich überraschend. Und dennoch ist er ein Abbild der Apothekenkrise: Der Markt wird zu eng, um verschiedene Modelle nebenher zu betreiben. Zu anspruchsvoll, um ohne ein Maximum an Effizienz irgendwelche Liebhabereien zu pflegen. Die früher auch beim MVDA so fest propagierte Unabhängigkeit ist der Entwicklung zum Opfer gefallen. „Von Apothekern für Apotheker“, hieß es bis zuletzt. Hat sich das Konzept überholt?
Was passiert, ist eine frappierende Machtkonzentration: Phoenix sichert sich nicht nur die führende Dachmarke, sondern auch den Durchgriff auf die Apotheken. Und das, während der Konzern parallel schon bei Gesund.de seine früheren Mitstreiter aus dem Rennen geschlagen hat.
Und der MVDA? Der einst mächtigste Club, bei dem nur große Apotheken mitspielen durften, degradiert sich selbst zu einem Eigentümerverein. Noch vor ein paar Jahren stand die Partnerschaft mit Phoenix vor dem Aus. Jetzt wurde der Verkauf nach kontroversen Diskussionen einstimmig beschlossen. Phoenix hat die Kooperation nicht nur eingefangen, sondern sie sich auch gleich einverleibt.
Wenn sich einst unabhängige Kooperationen jetzt Großkonzerne ins Haus holen, befeuert das die Lesart, dass es alleine nicht mehr geht. Wie viel Unabhängigkeit kann die deutsche Apothekenlandschaft noch vertragen?