Dass abschwellende Nasensprays ein Abhängigkeitspotenzial bergen und bei Bluthochdruck nur mit Vorsicht angewendet werden sollten, ist bekannt. Doch mit welchen Folgen eine Überdosierung verbunden sein kann, zeigt ein vor Kurzem im „European Heart Journal“ veröffentlichter Fall. Dieser berichtet über einen akuten Myokardinfarkt und Herzstillstand infolge einer Überdosierung von Oxymetazolin.
Oxymetazolin gehört zu den Sympathomimetika, lässt die Schleimhäute abschwellen und kann die Gefäße verengen. Durch die agonistische Wirkung auf die Alpha-Adrenozeptoren wird die Nasenatmung erleichtert und die Sekretion vermindert. Außerdem werden die Beta-Rezeptoren stimuliert, was wiederum einen gefäßerweiternden Effekt zur Folge hat. Allerdings überwiegt die abschwellende Wirkung, während die gefäßerweiternde Wirkung länger anhält. Oxymetazolin besitzt zusätzlich entzündungshemmende und antivirale Eigenschaften. Eine Überdosierung kann zu systemischer Vasokonstriktion und potenziell lebensbedrohlichen kardiovaskulären Komplikationen führen.
Dies zeigt der Fall eines gesunden 27-jährigen Mannes, der infolge einer Überdosierung eines oxymetazolinhaltigen Nasensprays reanimiert und in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste.
Der Grund: Der Mann hatte aufgrund einer verstopften Nase im Zusammenhang mit grippeähnlichen Symptomen seit drei Tagen ein oxymetazolinhaltiges Nasensprays benutzt. Am Tag der Einlieferung soll der Mann das Nasenspray innerhalb von zwei Stunden mehr als zehnmal angewendet haben. Oxymetazolinhaltige Nasensprays enthalten 25 beziehungsweise 50 Mikrogramm Wirkstoff. Letzteres trifft auf Sprays für Erwachsene zu. Innerhalb der zwei Stunden könnten so bis zu 500 Mikrogramm Oxymetazolin verabreicht werden. Kurz darauf litt der Mann an starken Brustschmerzen und Atemnot gefolgt von einem Kollaps und Bewusstlosigkeit.
Als die Rettungskräfte eintrafen, war der Mann pulslos und musste reanimiert werden. Zwar kam der Kreislauf dadurch wieder in Schwung, doch verschlechterte sich im Anschluss wieder, was die Gabe von Adrenalin erforderlich machte. Zudem musste der Mann intubiert werden, da die Atmung nur unzureichend war.
„Dieser Fall verdeutlicht eine seltene, aber schwerwiegende kardiovaskuläre Komplikation einer Oxymetazolin-Überdosierung: einen Koronarspasmus mit akutem Myokardinfarkt und Herzstillstand“, schreiben die Autoren. Der Koronarspasmus kann vermutlich auf eine übermäßige Aktivierung von α-adrenergen Rezeptoren an der glatten Koronarmuskulatur zurückgeführt werden. In der Folge kommt es zu einer starken Vasokonstriktion, einer verminderten Myokardperfusion und potenziell zu Ischämie oder Infarkt.
Auch wenn kardiovaskuläre Komplikationen unter Oxymetazolin äußerst selten sind, zeigt der beschriebene Fall, dass sich Anwender:innen der systemischen Toxizität des Wirkstoffes bewusst sein müssen – vor allem bei übermäßiger Anwendung.
Der Bericht beschreibe einen zeitlichen Zusammenhang zwischen übermäßigem Oxymetazolin-Gebrauch und einem akuten Myokardinfarkt mit Herzstillstand; ein eindeutiger Kausalzusammenhang könne jedoch nicht nachgewiesen werden.
Das Fazit: Oxymetazolinhaltige Nasensprays gelten allgemein als sicher, doch kann eine Überdosierung schwere systemische Herz-Kreislauf-Komplikationen hervorrufen. Patient:innen sollten über die sachgemäße Anwendung und die potenziellen Risiken beraten werden, um solche unerwünschten Ereignisse zu vermeiden.
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