Wenn der Transgender-Kunde die Pille danach verlangt | APOTHEKE ADHOC
Herausforderung im Beratungsgespräch

Wenn der Transgender-Kunde die Pille danach verlangt

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Berlin -

Die Pille danach hat schon in so mancher Apotheke zu skurrilen Beratungssituationen geführt – naturgemäß häufig im Notdienst. Eine junge Inhaberin hatte in ihrem Nachtdienst jetzt einen Fall, auf den sie trotz Fachwissen, aller möglichen Leitfäden und persönlichem Engagement nicht vorbereitet war.

In der Nacht klingelte ein Kunde und verlangte das Notfallkontrazeptivum. Seine besondere Lage schilderte er der Apothekerin gleich zur Begrüßung. Er sei transsexuell und habe mit der Hormontherapie bereits begonnen. Doch in der Nacht war es zu einer Verhütungspanne gekommen und nun fürchtete der Kunde, noch schwanger geworden zu sein.

Die Apothekerin hatte allerdings zu große Bedenken, in dieser Behandlungsphase zusätzlich mit einem Hormonpräparat einzugreifen. Sie rief einen befreundeten Frauenarzt an, der riet aber ebenfalls von der Abgabe ab – jedenfalls ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.

Die Verhütungspanne war aber in der Nacht von Donnerstag auf Freitag passiert und wegen des Feiertags und des anstehenden Wochenendes wäre eine Kontaktaufnahme am Montag selbst bei der Einnahme eines Ulipristal-Präparats höchst wahrscheinlich zu spät erfolgt. Die Ambulanz wäre noch eine Option gewesen, ob die Ärzte dort ohne Rücksprache mit dem behandelnden Endokrinologen anders entschieden hätten, wäre zudem fraglich gewesen.

Doch die Apothekerin konnte den besorgten Kunden zumindest etwas so beruhigen: Da nach dessen Schilderung die letzte Periode schon einige Zeit zurücklag, sei eine Schwangerschaft eher unwahrscheinlich. Die besorgte Nachfrage, ob dies zu 100 Prozent auszuschließen sei, musste die Apothekerin allerdings verneinen. „Für ihn war das natürlich katastrophal, denn eine Schwangerschaft war das letzte, das er in seiner Situation wollte“, berichtet sie. Der Kunde habe aber letztlich verstanden, dass sie die Pille danach in diesem Fall nicht abgegeben habe.

Es gab auch einen fröhlichen Moment in der Beratung: Während die Apothekerin, um in der ungewohnten Situation ganz sicher zu gehen, in den umfangreichen Checklisten blätterte, sagte der Kunde: „Ich glaube, so einen Fall hatten Sie auch noch nie.“ Das konnte die Apothekerin bestätigen und die beiden konnten über das tragisch-komische der Situation gemeinsam lachen. Bislang hat die Apothekerin nichts mehr von dem nächtlichen Vorfall gehört.

Die Wirkstoffe Ulipristal und Levonorgestrel (LNG) sind seit vier Jahren nicht mehr verschreibungspflichtig. Beratung und Abgabe gehören für viele Apothekenmitarbeiter zum Alltag. In einer Apotheke in Berlin Mitte wird das Notfallkontrazeptivum täglich abgegeben. Und immer wieder kommt es in Apotheken zu besonderen Momenten bei der Beratung: Eine PTA aus Nordrhein-Westfalen berichtet vom Besuch einer Mutter mit ihrer etwa 20 Jahre alten Tochter gewesen. Diese hätten ein Privatrezept über fünfmal EllaOne vorgelegt. Die Erklärung des so großzügig verordnenden Gynäkologen habe ebenfalls auf der Verordnung gestanden: Die Patientin verbringe drei Monate im Ausland. Nach Rücksprache mit ihrem Chef verweigerte die PTA die Abgabe. Insgesamt kämen selten Frauen, bei denen ein „wirkliches Versehen“ passiert sei. Viele seien bei dem Thema Verhütung einfach nicht genug aufgeklärt.

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