Vier Jahre auf Nachfolgersuche

„Apotheke ist wie ein selbstgewähltes Gefängnis“ Carolin Ciulli, 03.11.2019 07:57 Uhr

Berlin - Apothekerin Monika Prinz fühlt sich „überreif“ für die Rente. Mit 66 Jahren steht die Pharmazeutin immer noch hinter dem HV-Tisch der Kunibertus-Apotheke in Hünsborn/Wenden. Gemeinsam mit ihrem Mann Friedrich versucht sie seit vier Jahren, den Betrieb zu verkaufen. Dass die Suche so schwer werden würde, hätten sie beide nicht gedacht. Doch zu viele gesetzliche Regulierungen und eine ungewisse Zukunft schreckten den Nachwuchs ab, klagt Prinz.

Vor 33 Jahren eröffnete das Ehepaar Prinz die Apotheke im Sauerland. Eigentlich stammen beide aus dem Saarland, studierten dort Chemie und Pharmazie. Nach Nordrhein-Westfalen kamen sie durch den Aufruf eines Arztes, der für das Dorf Hünsborn eine Apotheke suchte. Sie lebten ihren Beruf mit Leidenschaft, eigentlich wollten sie schon vor Jahren in den Ruhestand gehen. Doch wie bei vielen Kollegen im ländlichen Raum findet sich kein Nachfolger.

Die Apotheke zu schließen, komme vorerst nicht in Frage, sagt Prinz. Zu eng sei man mit den Kunden verbunden. „Wir beobachten, wie in Nachbarstädten und -kreisen alteingesessene Apotheker schließen.“ Eine Apotheke sei jedoch wichtig für eine Gemeinde, nicht nur wegen der Arzneimittelversorgung: „Die soziale Komponente darf nicht unterschätzt werden. Ein direktes Gespräch kann keine Hotline ersetzen.“ Ein Appell, den Prinz auch Richtung Politik und Krankenkassen richtet.

Die Apothekerin betrachtet die aktuelle Entwicklung des Apothekenmarktes mit Sorge: „Es gibt zu viele Eingriffe durch Krankenkassen und Politik“, kritisiert sie. Auf die Apotheker werde alles abgewälzt. Doch die Einsparpotenziale seien längst ausgeschöpft. „Selbst in Bereichen wie Hilfsmittelversorgung, wo man früher durch gute Verhandlungen noch einen Zusatzgewinn rausziehen konnte, verdient man heute kaum mehr.“ Stetig verringere sich der Ertrag, der übrig bleibe.

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