Avie in der Krise

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Berlin - Persönlich, individuell und umfangreicher Service – das waren jahrelang die Markenzeichen von Avie. Jetzt steckt die zur Kohl-Gruppe gehörende Apothekenkooperation offensichtlich in der Krise. Das Personal wechselt schnell. Der Außendienst ist ausgeblutet. Zusagen werden nicht eingehalten. In einem Brandbrief macht ein langjähriges Mitglied seinem Ärger Luft. Apotheker Klaus Bellwinkel hat die Mitgliedschaft seiner Apotheke im niedersächsischen Rinteln gekündigt. Andere Avie-Apotheker sind ihm bereits gefolgt.

2009 war Bellwinkel mit seiner Apotheke unter das Kooperationsdach von Avie geschlüpft. Bis vor Kurzem war er mit den Leistungen und Angeboten noch zufrieden. Erst zum Jahresbeginn hatte er seinen Vertrag noch einmal verlängert. Doch jetzt reicht es ihm: „Avie ist nur noch ein Flyerbestellportal“, kritisiert er die Arbeit der Zentrale. Es gebe so gut wie keine Kommunikation mehr, schimpft Bellwinkel. Auch die hohe Personalfluktuation ärgert den Apotheker. Unter dem neuen Geschäftsführer Dominik Klahn, der im Sommer 2016 den langjährigen Avie-Chef Dr. Thomas Zenk kurzfristig abgelöst hatte, habe sich die Situation nach einem Jahr „deutlich verschlechtert“. Er könne seine Jahresplanung nicht mehr durchführen. Das schädigt das Geschäft.

Seinen Brandbrief will Bellwinkel als „Weckruf“ ins Saarland verstanden wissen – und hat sich entsprechend Mühe gemacht. An fast alle gut 200 Avie-Apotheken hat er seine Kritik gemailt. Das blieb auch in Merzig nicht ungehört. Aber Avie will sich zu den Vorwürfen nicht äußern: „Kein Kommentar.“ Bestätigt wird nur die Vakanz beim Außendienst. Für die acht Regionen in Deutschland stehen derzeit nur drei Außendienstler für die Kundenbetreuung bereit. Zwei davon sind Apothekern zufolge erst seit Kurzem dabei. Und zum Jahresende hat die letzte verbliebene Vertrieblerin aus der bisherigen Mannschaft bereits ihren Abgang angemeldet.

„Bei vielen wird wohl der Gedanke einer großhandelsunabhängigen, einer in die Zukunft weisenden, gut betreuten und sich für die Apotheke einsetzenden Kooperation im Vordergrund gestanden haben“, schrieb Bellwinkel. Zweck der Mitgliedschaft sei für ihn und die Kollegen aber auch die betriebswirtschaftliche Komponente: „die Frequenz der Kundschaft zu steigern, neue Kunden zu gewinnen, damit sich das monatliche Investment langfristig auswirkt“.

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