Bei DocMorris ist der Großaktionär CEPD/Pelion mit seiner Revolte vorerst gescheitert. Dr. Fritz Oesterle fiel bei der Wahl in den Verwaltungsrat durch, stattdessen konnte der langjährige Vorsitzende Walter Oberhänsli seinen Posten sichern. Mit viel Geschick hatte das amtierende Management um das Vertrauen der Aktionärinnen und Aktionäre geworben, zu denen die Vertreter des polnischen Investors nicht durchdringen konnten.
Zwei Stunden lang hatte sich das Management bei der Generalversammlung in Zürich bemüht, die Aktionärinnen und Aktionäre auf seine Seite zu ziehen. Ausführlich wurden – sorgfältig ausgewählte – Geschäftszahlen vorgestellt, ja sogar das Versprechen abgegeben, in den kommenden zwei Jahren endlich profitabel zu werden und jedenfalls ohne Kapitalerhöhung auszukommen, die zu einer weiteren Verwässerung zulasten der bestehenden Anteilseigner gehen könnten.
Genau das war im vergangenen Jahr geschehen, als Pelion/CEPD zunächst günstig 10 Prozent einsammelte und diesen Anteil auf mittlerweile 15 Prozent weiter ausbauen konnte. Oesterle und sein Team waren wohl in der Überzeugung angereist, dass die anderen Aktionärinnen und Aktionäre nun endlich genug hätten und den Austausch des Verwaltungsrats unterstützen würden.
Und tatsächlich sind bei DocMorris nach wie vor viele Kleinanleger investiert – darunter ehemalige Ärzte, die den Strategiewechsel vom ertragreichen Praxisgroßhandel in der Schweiz hin zum verlustreichen Versandhändler in Deutschland mitmachen mussten. Aber auch Anleger sind dabei, die in der Euphorie der Pandemiezeit eingesteigen waren und die Gelegenheit zum Verkauf bei 500 Euro verpasst haben. Zur Erinnerung: Heute ist die Aktie noch 7 Euro wert.
Doch den angekündigten Machtwechsel wollten die Anleger auch nicht. Und so kam es kurz nach 19 Uhr zur entscheidenden Abstimmung, bei der Oesterle haushoch durchfiel. Er erhielt nur 28,5 Prozent der Stimmen – und damit gerade einmal doppelt so viel, wie das eigene Aktienpaket brachte. Auch die beiden anderen Kandidaten von CEPD/Pelion konnten keine Mehrheit gewinnen und wurden damit nicht in den Verwaltungsrat gewählt. Nicht einmal ein zweiter Wahlgang war nötig.
Dagegen konnte Oberhänsli aus dem Stand knapp 70 Prozent der Stimmen holen, mit derselben Quote wurde er im Anschluss auch als Präsident bestätigt. Auch die anderen fünf Kandidaten wurden mit Zweidrittel- bis Dreiviertelmehrheit gewählt oder wiedergewählt.
Dass Oesterle keine Ruhe geben wird, dürfte Oberhänsli klar sein. Am Ende der Generalversammlung versicherte er, dass man auf den Großaktionär zugehen werde, um für eine angemessene Vertretung zu sorgen. Der Machtkampf dürfte nach dieser ersten Runde noch längst nicht entschieden sein.
Ein ausführlicher Bericht folgt.