Großaktionär baut Position aus

DocMorris: Machtwechsel bei Versender

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Berlin -

Bei DocMorris verschieben sich die Machtverhältnisse: Im Vorfeld der Generalversammlung, auf der über eine Neubesetzung des Verwaltungsrats abgestimmt werden soll, hat der Großaktionär Pelion weitere Aktien eingesammelt. Der polnische Pharmahändler, der den früheren Celesio-CEO Dr. Fritz Oesterle gerne an die Spitze wählen lassen will, hat seine Position auf mehr als 15 Prozent ausgebaut.

Gestern meldete die Pelion-Tochter CEPD, dass sie die Schwelle von 15 Prozent genommen hat – exakt mit einem Stimmrechtsanteil von 15,013 Prozent. Als wirtschaftlich Berechtigte werden die beiden Firmeninhaber Jacek Szwajcowski und Zbigniew Molenda ausgewiesen, die Pelion 1990 gegründet und 2017 von der Börse genommen hatten. Auch Oesterle wird genannt, da er zwar privat Aktien hält, als Non-Executive Chairman des Management Boards von CEPD aber dem Kreis der Investoren zugerechnet wird.

Pelion war im Mai vergangenen Jahres bei DocMorris eingestiegen und hatte über CEPD im Rahmen einer Kapitalerhöhung für rund 150 Millionen Euro zunächst ein Paket von knapp 10 Prozent der Aktien übernommen. CEPD ist die in den Niederlanden angesiedelte Sparte, über die die Apothekenketten in Polen, dem Baltikum und Schweden geführt werden.

Neben dem polnischen Pharmahändler sind vor allem Investmentbanken wie J.P. Morgan sowie diverse Finanzinvestoren bei DocMorris engagiert. Derzeit ist UBS der größte Aktionär, der inklusive Wandelanleihen auf rund 19 Prozent kommt.

Bislang größter Aktionär war 2016 die Unternehmerfamilie Frey; in zwei Tranchen hatte der Clan über seine Beteiligungsgesellschaft Corisol für 40 Millionen Franken insgesamt 22 Prozent der Anteile übernommen. Durch den Einstieg des saudischen Königshauses und den Börsengang im Sommer 2017 sank der Anteil auf 14,5 Prozent. Weiter verwässert wurde er durch die Kapitalerhöhung im Zusammenhang mit der Übernahme von Medpex im Dezember 2018, an der die Familie nicht teilgenommen hatte: Erst war von einem Versehen der Hausbank die Rede, dann verzichtete die Familie auf die Nachlieferung der entsprechenden Aktien. 2020 wurde die Beteiligung abgewickelt.

Aktionär plant Revolte

CEPD plant eine Aktionärsrevolte und will den Verwaltungsrat austauschen. Als Grund genannt werden „wiederholte Verfehlungen in der Strategieumsetzung und der Prognose“, die zu einem Kursverlust von 98 Prozent über die vergangenen fünf Jahre geführt hätten. Daher werde man einen Antrag einreichen, Verwaltungsratspräsident Walter Oberhänsli abzulösen. Er müsse die Verantwortung für die Geschäftsentwicklung des Unternehmens übernehmen und von seinem Amt zurücktreten, so die Forderung.

Oberhänsli stand seit der Gründung an der Spitze von Zur Rose, hatte das Unternehmen erst als Ärztegroßhandel aufgebaut und schließlich 2004 den Sprung in den deutschen Markt gewagt. Mit viel Fördergeld entstand die gleichnamige Versandapotheke in Halle/Saale, im vergangenen Jahr wurde der Standort aufgegeben. 2021 wechselte Oberhänsli in den Verwaltungsrat, sein Nachfolger als CEO wurde Walter Hess. Schon bei der Generalversammlung im vergangenen Jahr wurden Forderungen laut, Oberhänsli solle von seinem Amt zurücktreten.

CEPD fordert, den Verwaltungsrat auf der Generalversammlung am 12. Mai grundlegend neu aufzustellen, und schlägt sechs Kandidaten vor, darunter Oesterle als designierten Präsidenten. Der frühere Celesio-CEO kennt DocMorris bereits gut: Unter seiner Führung hatte der mittlerweile zerschlagene Konzern die Versandapotheke 2007 für rund 220 Millionen Euro gekauft. Nach massiven Abschreibungen ging DocMorris nur fünf Jahre später für gerade einmal 25 Millionen Euro an Zur Rose aus der Schweiz.

Die ehemalige Ärzte-AG hatte auch kein Glück: Erst mussten Investoren an Bord genommen werden, schließlich folgte der Börsengang. Wegen teurer Übernahmen und hoher Verluste mussten immer wieder Kapitalerhöhungen durchgeführt werden, die den Aktienkurs massiv verwässerten. Schließlich wurde das ursprüngliche Kerngeschäft verkauft. Die Bilanz wird faktisch vor allem durch hohe immaterielle Vermögenswerte zusammengehalten, die sich auf knapp eine halbe Milliarde Franken summieren.

Seit seinem Ausscheiden bei Celesio im Jahr 2011 hat Oesterle verschiedene Mandate übernommen. Für CEPD ist er seitdem als Non-Executive Chairman des Management Boards tätig; die Gruppe übernahm 2021 in Schweden die ursprünglich von Celesio aufgebaute Apothekenkette Lloyds Apotek. Bis 2014 war er im Aufsichtsrat von Eckert & Ziegler, bis 2024 im Aufsichtsrat von Heidelberger Druckmaschinen. 2012 wurde er auch Treuhänder bei der Schwarz-Gruppe. Er ist in den Kontrollgremien der LBBW sowie der Volksbank am Württemberg. Außerdem war er Gesellschafter beim Großhändler AEP.

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