Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Nachdem der Verwaltungsrat von DocMorris im Zusammenhang mit Forderungen seines neuen Großaktionärs vor einer „Übernahme durch die Hintertür“ gewarnt hat, weist dieser die Vorwürfe entschieden zurück. „Diese Einordnung ist sachlich falsch, bewusst irreführend und zielt darauf ab, die Aktionäre von den Verfehlungen des Verwaltungsrats in den zurückliegenden fünf Jahren abzulenken, in deren Verlauf 98 Prozent des Aktienwerts von DocMorris vernichtet wurden“, heißt es in einer Stellungnahme.
Über seine Kettensparte CEPD hatte sich der polnische Pharmahändler Pelion im vergangenen Jahr günstig bei DocMorris eingekauft, mittlerweile hält der Konzern etwas mehr als 15 Prozent der Aktien. Und er hat zum Angriff geblasen: Zur Generalversammlung fordert CEPD die Neubesetzung des Verwaltungsrats – inklusive den Rauswurf des langjährigen Firmenchefs Walter Oberhänsli. Stattdessen soll der frühere Celesio-CEO Dr. Fritz Oesterle übernehmen.
Der Verwaltungsrat lehnt dies ab und warnt vor einer „Kontrollergreifung des Investors“. Wer drei von sechs Verwaltungsratsmitgliedern und den Präsidenten stelle, kontrolliere das Unternehmen nach Belieben – was einer „kalten Übernahme durch die Hintertür“ gleichkomme. Strategie, Ziele, Beiträge, Pläne seien nie bekannt gemacht worden.
„Unsere Absichten sind transparent dokumentiert: eine Verbesserung der Governance, disziplinierte Kapitalallokation und der Aufbau von DocMorris zur führenden profitablen ‚Healthcare in One Click‘-Plattform Europas“, heißt es in einer Stellungnahme von CEPD. „Wir sind der größte Aktionär des Unternehmens. Unsere Interessen sind vollständig mit denen aller anderen Investoren in Einklang. CEPD plant keine Übernahme von DocMorris.“
„Unser Ziel ist keine verhältnismäßige Vertretung, sondern ein Verwaltungsrat, der das Vertrauen der Aktionäre verdient und der unter einem neuen Verwaltungsratspräsidenten die richtigen Entscheidungen trifft“, heißt es weiter. DocMorris selbst habe erst in Reaktion auf externen Druck von Investoren drei neue Kandidaten für den Verwaltungsrat vorgestellt. „Kurz darauf fiel der Aktienkurs auf ein Allzeittief. Eine Erneuerung des Verwaltungsrats unter der Führung desselben Verwaltungsratspräsidenten, der über Jahre der Wertvernichtung vorstand, ist keine Erneuerung. Sie ist eine Fortsetzung des Status quo mit neuen Gesichtern. Solange derselbe Verwaltungsratspräsident im Amt bleibt, ist keine glaubwürdige Erneuerung des Verwaltungsrats möglich.“
Nach zehn Jahren als CEO sei Oberhänsli nun seit vier Jahren als Verwaltungsratspräsident tätig – in denen das Unternehmen weiter signifikanten Wert für die Aktionäre vernichtet habe. Den Verweis auf die jüngsten Zahlen lässt der Großaktionär nicht gelten: „Ein einziges Quartal macht fünf Jahre verfehlter Ziele, verwässernder Kapitalerhöhungen und gebrochener Versprechen gegenüber den Aktionären nicht ungeschehen.“
Auch die Forderung nach Koninuität angesichts der aktuellen Herausforderungen überzeugt CEPD nicht. Auch in den vergangenen fünf Jahren sei jede Phase als entscheidend bezeichnet worden: „Der Aktienkurs ist in diesem Zeitraum um 98 Prozent gefallen. Irgendwann wird das Argument für Kontinuität zum Argument für anhaltendes Versagen.“
Hinzu komme, dass Oberhänsli in seiner jetzigen Funktion die Konsequenzen seiner eigenen früheren Entscheidungen überwachsen solle. „Das ist keine unabhängige Governance, sondern ein struktureller Interessenkonflikt und die Aktionäre verdienen Besseres.“
Man habe einen Sitz im Verwaltungsrat angeboten bekommen, verbunden mit einer Stillhaltevereinbarung sowie der Vorgabe, eine weibliche Kandidatin zu nominieren, plaudert CEPD aus dem Nähkästchen. „Unsere zentrale Bedingung – der Rücktritt von Walter Oberhänsli als Verwaltungsratspräsident – wurde nicht erfüllt. Angesichts der Gesamtheit dieser Bedingungen haben wir das Angebot abgelehnt.“
Im Rahmen der von CEPD vorgeschlagenen Führungsstruktur könnten die Aktionäre einen hochqualifizierten Verwaltungsrat mit den erforderlichen Fähigkeiten und der notwendigen Expertise erwarten, um das Management angemessen in die Verantwortung zu nehmen. „Wir rufen daher alle Aktionäre dazu auf, sich für die Generalversammlung am 12. Mai zu registrieren und ihr Stimmrecht auszuüben.“