Bei DocMorris kommt es zum Showdown: Das Management wehrt sich gegen die Neubesetzung des Verwaltungsrats, die vom Großaktionär CEPD in einem Antrag zur Generalversammlung gefordert wird. „Lehnen Sie die Anträge und damit die versuchte Kontrollergreifung des Investors ab“, appelliert die derzeitige Unternehmensspitze.
CEPD ist die Kettensparte des polnischen Pharmahändlers Pelion und war im Mai 2025 im Rahmen einer großen Kapitalerhöhung günstig bei DocMorris eingestiegen. Mit einem Paket von 15 Prozent gehört CEPD – neben Banken und Finanzinvestoren – zu den Großaktionären. In einem Antrag zur Generalversammlung wird die Neubesetzung des Verwaltungsrats gefordert, was explizit den Rauswurf des langjährigen Firmenchefs und amtierenden Präsidenten Walter Oberhänsli beinhaltet. Stattdessen soll der frühere Celesio-CEO Dr. Fritz Oesterle übernehmen.
Wiederholt habe man Jacek Szwajcowski als Eigentümer von Pelion/CEPD angeboten, einen Kandidaten für den Verwaltungsrat zu benennen – darauf eingegangen sei er nie. „Dieses Angebot wurde ignoriert.“ Ein solches Verhalten sei aufschlussreich: „Es geht ihm nicht um eine anteilsmäßige Mitsprache“, so der Verwaltungsrat in einer Stellungnahme an die Aktionäre. „Mit seinen Anträgen trachtet Szwajcowski nach einer kalten Übernahme durch die Hintertür. Wer drei von sechs Verwaltungsratsmitgliedern und den Präsidenten stellt, kontrolliert das Unternehmen nach Belieben. Das ist gegen die Interessen aller anderen Aktionäre. Wer eine Kontrollübernahme will, müsste dies mit einem öffentlichen Übernahmeangebot mit einer substanziellen Prämie zum Aktienkurs tun.“
Trotz mehrfacher Anfragen habe CEPD auch keine Auskunft über die eigenen strategischen Absichten oder etwaige Verpflichtungen gegenüber Finanzierungspartnern und Kreditgebern gegeben. Strategie, Ziele, Beiträge, Pläne seien nie bekannt gemacht worden. „Dient die Mehrheit des Verwaltungsrats einem intransparenten Minderheitsaktionär, kann das Gremium seine Treue- und Sorgfaltspflichten gegenüber der Gesamtheit der Aktionäre nicht mehr wahrnehmen. Das schadet allen – außer dem Minderheitsaktionär.“
Pelion/CEPD würde die Hälfte der Verwaltungsräte und den Präsidenten mit Stichentscheid stellen. Dem Vergütungs- und Nominationsausschuss sei bislang aber keine Gelegenheit geboten worden, die drei vorgeschlagenen Kandidaten näher zu prüfen und sich ein Bild von ihnen zu machen und deren tatsächliche Unabhängigkeit zu prüfen.
Genau daran zweifelt der Verwaltungsrat: Die Abhängigkeit von Oesterle und Pelion-Managerin Mariola Belina Prażmowska sei offensichtlich. Aber auch der dritte Kandidat Jacek Poświata sei nicht unabhängig: Nach Aussage seines Arbeitgebers Bain & Company verfüge er über umfassende Erfahrung in der Unterstützung der CEPD – somit existiere seit Jahren eine enge geschäftliche Verbindung. „Die anderen Aktionäre wären damit überhaupt nicht mehr angemessen repräsentiert.“
Daher empfiehlt der Verwaltungsrat den Aktionären die „deutliche Ablehnung“ der Anträge von CEPD. „Die DocMorris AG braucht Konstanz und planmäßigen Wandel, keine Disruption. Dafür steht der heutige und der von der DocMorris AG vorgeschlagene erneuerte Verwaltungsrat.“
Stattdessen sollten die von ihm selbst nominierten Kandidatinnen und Kandidaten gewählt werden, die im Übrigen ihr Mandat nur unter der Voraussetzung ausüben würden, dass eine unabhängige und verantwortungsvolle Wahrnehmung im Sinne einer guten Corporate Governance und im Interesse aller Aktionärinnen und Aktionäre gewährleistet sei. „Damit wird die Unabhängigkeit, die strategische Kontinuität und die nachhaltige Wertsteigerung von DocMorris für alle Aktionäre gesichert.“
Außerdem habe man erfreuliche Zahlen zum ersten Quartal veröffentlicht. „Sie belegen, dass Strategie und Maßnahmen greifen und DocMorris auf Kurs ist.“ Damit dieser positive Trend nicht gebrochen werde, habe man im Rahmen der „fortlaufenden Erneuerung“ für die Hälfte des Verwaltungsrats drei neue, unabhängige Kandidaten vorgestellt. Zusammen mit den bisherigen Verwaltungsräten genössen sie das Vertrauen des eingespielten Führungsteams, heißt es in der von Oberhänsli und Florian Seubert unterzeichneten Stellungnahme.
„Unsere klare Empfehlung: Wählen Sie die vom Verwaltungsrat nominierten Kandidatinnen und Kandidaten. Lehnen Sie die Wahlvorschläge der CEPD ab. Damit sichern Sie die Unabhängigkeit, die strategische Kontinuität und die nachhaltige Wertsteigerung von DocMorris für alle Aktionäre. Ihre Stimme zählt. Bitte nutzen Sie sie.“