„Fixum muss zeitnah kommen“

Westfalen-Lippe: Nur noch halb so viele Inhaber

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Berlin -

Die Kammerversammlung der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) hat sich in ihrer heutigen Sitzung in Münster-Roxel intensiv mit der aktuellen Lage der öffentlichen Apotheken sowie den Perspektiven des Berufsstandes beschäftigt. Im Mittelpunkt stand dabei insbesondere der Blick nach vorn: AKWL-Präsidentin Gabriele von Elsenau Overwiening zeichnete in ihrem Bericht ein bewusst positiv-optimistisches Zukunftsbild der Apotheke vor Ort – trotz aller Steine, die man noch aus dem Weg räumen müsse.

Overwiening betonte in ihrem Bericht, dass die jüngsten politischen Entscheidungen und die geplanten Reformen neue Chancen für die Apothekerschaft eröffnen. Insbesondere der Ausbau pharmazeutischer Dienstleistungen (pDL), erweiterte Impfangebote sowie zusätzliche heilberufliche Befugnisse stärken die Rolle der Apotheke im Gesundheitswesen nachhaltig: Neue Leistungen seien dabei weit mehr als zusätzliche Vergütungsangebote – sie seien ein zentraler Baustein für die Weiterentwicklung der Apotheke als unverzichtbare Säule der wohnortnahen Gesundheitsversorgung: „Vor uns liegt der Aufbruch in eine ganz neue pharmazeutische Zukunft mit neuen pharmazeutischen Aufgaben, mit versorgenden Aufgaben und ich hoffe sehr, dass wir das als große Chance nutzen für eine optimierte Versorgung der Menschen.“

Die Entwicklung zeige bereits Wirkung: Mehr als die Hälfte der Apotheken in Deutschland bietet inzwischen pDL an, die Zahl der erbrachten Leistungen wächst seit Jahren dynamisch.

Zugleich verwies Overwiening darauf, dass die wirtschaftliche Situation vieler Apotheken trotz erster Verbesserungen weiterhin angespannt bleibe. Auch wenn nicht alle Honorarforderungen erfüllt worden seien, bringe die Reform indes dank einer leicht erhöhten Vergütung finanzielle Verbesserungen mit sich. „Diese von der Koalition fest zugesagte Erhöhung muss nun auch kommen. Und zwar zeitnah.“

Der Berufsstand habe 14 Jahre und damit länger als wirtschaftlich verkraftbar auf eine Verbesserung gewartet. Dass die Honorarerhöhung noch nicht umgesetzt, die Kürzung zum 1. Januar um 30 Cent pro Packung allerdings schon verabschiedet sei, habe das Vertrauen in die Politik erschüttert.

Das zeigten auch die Zahlen: „Wir stehen aktuell nur noch bei 1602 Apotheken. Zum Jahresende gehen wir von einem weiteren Rückgang der Betriebsstätten auf 1580 aus. Das sind fast 700 Apotheken weniger in nur zwei Jahrzehnten und zugleich eine Halbierung der Inhaberinnen und Inhaber von fast 2300 auf nur noch 1165.“

Haushalt und Ausbildung

In der Sitzung entlasteten die Delegierten Vorstand und Geschäftsführung. Zudem bestätigten sie den von Friedrich Averbeck, Bereichsleiter Finanzen der AKWL, vorgestellten Haushaltsabschluss des Jahres 2025 mit nur einer Gegenstimme.

Michael Schmitz spricht auf der Kammerversammlung
Michael Schmitz erklärte, dass die Kammer massiv in die Ausbildung investiert.Foto: Yasmina Talhaui

In seinem ersten Bericht als Hauptgeschäftsführer stellte Michael Schmitz die zentralen Kennzahlen des Kammerhaushalts vor und betonte, welche Aufgaben die Kammermitglieder über ihre Beiträge für das Gemeinwohl leisten, während sich der Staat „einen schlanken Fuß“ mache, so Schmitz: Beginnend bei der Förderung der PTA-Ausbildung durch die Inhaberinnen und Inhaber und eine Stiftungsprofessur an der Universität Münster, Fortbildungsangebote für PTA und PKA, die nicht kostendeckenden Fachsprachenprüfungen oder die Organisation des Nacht- und Notdienstes in Auftragsverwaltung für das Land NRW – „aber komplett auf eigene Kosten“. Schmitz resümierte: „Insgesamt ist das gut ein Sechstel des Kammerhaushaltes“.

Abschied von „Mister Qualitätssicherung“

Zum Abschluss dankte Hauptgeschäftsführer Schmitz dem langjährigen AKWL-Abteilungsleiter für Qualitätssicherung Wolfang Erdmann für sein Engagement. Gemeinsam mit der zuständigen Bereichsleiterin Dr. Sylvia Prinz überreichte er ihm als augenzwinkerndes Präsent den Kriminalroman „Erdmann ermittelt“ – die Geschichte eines pensionierten Kommissars und Tennisspielers, der auch im Ruhestand weiter auf Spurensuche geht.

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