Die Apotheken vor Ort bieten zahlreiche Leistungen und Services an. Doch nicht alles ist dabei wirtschaftlich. Apothekerin Liesa Steffin von der MediosApotheke in Berlin kennt das Problem. Einerseits ist die Beratung eine originäre Aufgabe der Apotheke, doch in manchen Fällen übersteigt der Aufwand die Einnahmen. Als Folge werden unrentable Produktgruppen ausgelistet.
Im Apothekenalltag gibt es Leistungen, die nicht honoriert werden. Viele Angestellte dürften es kennen, wenn die Beratung über das Normale hinausgeht. Steffin ist für die Organisation der MediosApotheke am Oranienburger Tor verantwortlich und verweist auf die Bedeutung eines gut funktionierenden Systems. Im Bereich der Substitution etwa zähle sie auf Top-Angestellte, die die ausufernde Dokumentation im Blick behalten.
Der Aufwand im Bereich der Substitutionstherapie und die Abgabe von Substitutionsmitteln berge einen „extrem hohen Aufwand“, sagt die Apothekerin. Dieser übersteige die Wirtschaftlichkeit. Rund 4500 Apotheken übernehmen laut Abda-Zahlen die Herstellung und Abgabe unter strengen Vorgaben. Auf Wunsch der Ärztinnen und Ärzte könne die Einnahme vor Ort in der Apotheke erfolgen, was eine freiwillige Leistung der Apotheke ist.
Da es sich immer um Betäubungsmittel handele, ergebe sich viel Arbeit. „Die Krankenkassen zahlen uns nur die Präparate“, sagt die Apothekerin. Doch die damit verbundene Arbeit und Beratung sei nicht bezahlt. Dazu kämen „mentale Themen“ für die Angestellten bei der Betreuung dieser Kundengruppe. „Nicht mehr viele Apotheken wollen es übernehmen.“ Die MediosApotheke versorgt laut Steffin aktuell 60 Patient:innen mit Ersatzstoffen.
Es gibt weitere Bereiche in der Apotheke, in der eine Leistung geboten wird, aber kein Honorar fließt. Mitunter werden die Betriebe deshalb erfinderisch und schlagen auf den Packungspreis eine Beratungspauschale – geschehen etwa nach dem OTC-Switch der Pille danach, als der Aufwand die reguläre Beratungszeit überstieg. Manche Betriebe erhöhten den Preis beispielsweise um 5 Euro pro Packung.
In der Apotheke war die Kundschaft lange gewöhnt, mehrere Leistungen gratis zu erhalten. Zeitschriften, Kalender und Produktproben sind dafür nur Beispiele. In Arztpraxen wird für die Beratung nach der Gebührenordnung ein Honorar kassiert. „In der Apotheken haben wir die Möglichkeit, die Preise anzupassen.“
Insgesamt geschehe viel Arbeit „nebenher“, sagt Steffin. Im Bereich Ernährungsberatung etwa dauere ein Gespräch mitunter länger als zehn Minuten für ein bestimmtes Präparat. „Da wird nicht gleich eine Nährstoffberatung abkassiert.“ Nicht jeder wolle die umfängliche Beratung. Auch bei Kosmetik dauere die Abklärung oft länger. „Da denkt man schon über Beratungshonorare nach.“ Dass diese Form der Kundenbetreuung nicht honoriert werde, sei jedoch klar und man müsse über die Konditionen mit den Herstellern über einen Ausgleich nachdenken.
Eine weitere Möglichkeit ist die Streichung von Sortimenten. „Wir haben die Produkte aussortiert, bei denen wir eine schlechtere Marge bekommen.“ Dazu zähle das Bonbonregal, das eingekürzt wurde, sowie Zahngesundheit.
Wichtig sei, dass die Apotheke vor Ort für Beratung stehe und dies auch richtig sei. Wenn diese jedoch über das normale Maß hinausgehe, handele es sich um eine unbezahlte Leistung und die Wirtschaftlichkeit leidet.
In dieser Folge unserer Videoreihe geht es um Prozess-Optimierung: Wie lassen sich Bestellprozesse in Apotheken effizienter gestalten – wirtschaftlich, praxistauglich und softwaregestützt? Mit dieser Frage beschäftigt sich PKA Anja Löst.
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Transkripte der 5-teiligen Videoreihe
Teil 1 “Handelsspannenausgleich”
Teil 2 “Bestellprozesse”
Teil 3 "Bestellungen bündeln"
Teil 4 “Wirtschaftlich bestellen”
Teil 5 “Kommunikation am HV”

