Kein Rezept und Wochenende

Apotheken-Retter in der Nitrofurantoin-Not

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Berlin -

Apotheken sollen Rezepturen zeitnah und in einer hohen Qualität anfertigen. So wollen es die Kammern – und auch die Kunden. Am Freitagmittag forderte eine Mutter in der Residenz Apotheke in Potsdam Nitrofurantoin-Pulver ohne Rezept. Inhaber Jens Wiesenhütter setzte alle Hebel in Bewegung, um das Antibiotikum für den Sohn der Frau innerhalb eines Tages herzustellen. „Das sollen uns die Versandapotheken einmal nachmachen“, sagt er.

Wiesenhütter hat in seinen Apotheken regelmäßig Rezepturen, die beispielsweise von der naheliegenden Hautarztpraxis kommen. Die Nitrofurantoin-Rezeptur fiel jedoch aus der Reihe. Die Herstellung sei sehr aufwendig und dauere einige Stunden. Zudem hatte er die Substanz nicht vor Ort und es gab Verwirrung um das Rezept: „Die Frau sagte, der Kinderarzt hätte das Rezept bereits Tage zuvor zu uns geschickt“, so der Apotheker. Doch in der Offizin kam nichts an. Wiesenhütter fragte in der Praxis nach und ließ sich die Verordnung faxen.

Der Pharmazeut gab der Mutter telefonisch zu verstehen, dass er das Antibiotikum zur Behandlung von Harnwegsinfektionen nicht vor Montag fertig hätte. Die Apotheke sei schwach besetzt, zudem werde der Großhändler die nötigen Tabletten erst am späten Nachmittag liefern. Die zeitaufwendige Rezeptur werde zudem nicht einmal eben im Unguator angerührt. Er müsse dafür extra Personal einplanen. „Doch sie sagte, sie brauche es sofort, da ihr Sohn nur noch bis Samstag versorgt sei.“

Die Mutter ließ sich nicht auf Montag vertrösten. Bereits im August habe sie mehrere Apotheken kontaktiert und sei vielerorts weggeschickt worden, so der Apotheker. Hätte er auf die Lieferung der Tabletten durch den Großhändler gewartet, wären nochmals drei Stunden vergangen. Wiesenhütter schickte letztlich eine Mitarbeiterin zur rund zehn Kilometer entfernten Sanacorp-Niederlassung. Sie holte die Tabletten direkt ab und war nach etwa einer Stunde wieder zurück – Stau inklusive.

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