Auf dem Rezept: Apothekerin stichelt gegen Versender

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Berlin -

Die Defektlisten vieler Kollegen sind lang. Lieferengpässe gehören zum Dauerproblem im Alltagsgeschäft. Eine Apotheke bekam vergangene Woche ein Rezept vorgelegt, das von einer Versandapotheke wegen eines Defekts zurückgeschickt worden war. Die Apotheke sprang ein – doch die Inhaberin konnte sich einen Seitenhieb auf der Verordnung nicht verkneifen.

Immer wieder kommt es in Apotheken vor, dass Kunden kommen, weil sie von Versandapotheken nicht beliefert wurden. „Wir hatten das im Dezember und über Weihnachten“, sagt die Apothekerin. Zwischen 100 und 150 Lieferengpässe bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln werden in ihrem Betrieb im Schnitt angezeigt. Die Lage sei bei Präparaten wie Valsartan so ernst, dass Kunden zu ihren Ärzten zurückgeschickt werden müssten.

Aktuell ist auch Ebrantil (Urapidil) von Takeda in den Stärken 30 und 60 mg nicht lieferbar. Als der Kunde vergangene Woche mit dem Rezept in die Apotheke kam und das Antihypertensivum verlangte, schaffte es die Inhaberin, eine Packung zu 100 Stück zu organisieren. Der Kunde habe nicht erwähnt, dass er es zuvor bei einer Versandapotheke versucht hatte, sagt sie. „Mir ist es nur aufgefallen, weil ich die Verordnung umgedreht habe.“ Als sie das Rezept stempelte, sah sie auf der Rückseite die Kennzeichnung einer Versandapotheke.

Aus Protest hinterließ sie für die Kasse eine eindeutige Botschaft: „Rezept war in Versand-Apo und wer hat geholfen? Richtig! Wir vor Ort!“ Es sei wichtig, dass wahrgenommen werde, dass die stationäre Apotheke eingesprungen sei, betont sie. „Die Versandapotheken machen nur das beste Geschäft. Alles was Stress macht, bleibt an uns hängen.“

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